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Geburt & Wochenbett Path 2 Created with Sketch. Bräuche rund um die Plazenta
Bräuche rund um die Plazenta

Bräuche rund um die Plazenta

8 Dinge, die Du nach der Geburt mit dem Mutterkuchen tun kannst

Neun Monate lang hat die Plazenta einen wichtigen Zweck erfüllt und Dein Baby im Mutterleib versorgt. Manche Mütter halten damit die Aufgabe des Mutterkuchens für erledigt und lassen das Organ im Krankenhaus entsorgen. Andere Eltern möchten jedoch die besondere Kraft, die der Plazenta zugesprochen wird, nutzen oder ihrem Symbolwert Rechnung tragen und entscheiden sich, ihr nach der Geburt eine zweite Verwendung zu geben.
In vielen Kulturen besteht der Glaube, dass ein Stück der kindlichen Seele im Mutterkuchen zurückbleibt, weswegen ihm dort ein besonderer Stellenwert beigemessen wird. Aber auch im europäischen Kulturkreis ranken sich zahlreiche Bräuche um die Plazenta. Einige davon stellen wir Dir in diesem Artikel vor.

Falls Du zunächst mehr über die Plazenta, ihre Entstehung und Funktion erfahren möchtest, kannst Du Dir unseren Magazinartikel „Faszination Plazenta“ anschauen.

  • Entsorgen

    In den meisten Geburtskliniken ist die ordnungsgemäße Entsorgung der Plazenta über die Krankenhausverbrennungsanlage der Regelfall. Natürlich werden zuvor alle notwendigen Untersuchungen am Organ durchgeführt. Wenn Du nicht möchtest, dass Deine Plazenta entsorgt wird, gib am besten bereits vor der Geburt Deiner betreuenden Hebamme Bescheid.
  • Lotusgeburt

    Im Mutterleib ist Dein Baby über die Nabelschnur mit der Plazenta verbunden. Nach der Geburt wird üblicherweise die Nabelschnur am Kind abgeklemmt und das restliche Stück zusammen mit der Plazenta ausgeschieden. Bei einer Lotusgeburt wird die Nabelschnur jedoch nicht durchtrennt, sodass Kind und Mutterkuchen verbunden bleiben bis die Nabelschnur nach ein paar Tagen von alleine abfällt. Damit die Plazenta nicht zu faulen beginnt, muss sie konserviert werden, indem sie zum Beispiel in einem Säckchen mit Speisesalz aufbewahrt wird. Für einen angenehmen Duft können auch ätherische Öle und getrocknete Kräuter hinzugegeben werden.
    Befürworterinnen/Befürworter der Lotusgeburt empfinden das natürliche Abfallen der Nabelschnur als weniger traumatisch für das Baby (und auch für die Eltern) als das künstliche Abklemmen. Außerdem befindet sich rund ein Viertel des Kindsbluts bei der Geburt in Nabelschnur und Plazenta, sodass eine Lotusgeburt das Baby vor Blutverlust schützen soll.
    Allerdings versiegt die Blutzufuhr des Mutterkuchens zum Kind bereits wenige Minuten nach der Geburt. Zudem birgt die Methode eine gewisse Infektionsgefahr, weswegen die meisten Kliniken sie aufgrund der dort herrschenden gesteigerten Keimdichte nicht anbieten. Solltest Du Dich also für diese Art der Entbindung entscheiden, lasse Dich in jedem Fall von einer darin erfahrenen Hebamme begleiten.

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  • Essen

    Durch die zahlreichen enthaltenen Nährstoffe wird der Plazenta eine besondere Heilkraft zugesprochen, weswegen manche Mütter nach der Geburt ein Stück davon roh verspeisen oder in anderer Form zu sich nehmen. Im Internet kursieren allerlei Empfehlungen von Smoothies bis Lasagne, von seriös bis kurios. Das Essen des Mutterkuchens – Wortspiel nicht beabsichtigt ;) – soll Wochenbettdepressionen vorbeugen, die Milchbildung ankurbeln, die Rückbildung unterstützen und Schmerzen lindern. Bislang gibt es jedoch keine Studien, die diese Effekte wissenschaftlich belegen.
    Tatsächlich fressen viele Säugetiere, beispielsweise Katzen oder Ziegen, nach der Geburt ihrer Jungen ihre Plazenta auf. Kritiker der sogenannten Plazentophagie beim Menschen wenden ein, dass die Hintergründe für das Verspeisen in der Tierwelt ganz andere seien: Man vermutet, dass die Tiere die in der Plazenta enthaltenen Nährstoffe benötigen, da sie, durch die Geburt geschwächt, nicht in der Lage wären, anderweitig für Nahrung zu sorgen. Außerdem verhindern sie durch das Beseitigen des Organs, dass der Verwesungsgeruch Raubtiere anzieht. Und schließlich führen Kritiker an, dass die tierische Plazenta oft anders aufgebaut ist als die menschliche, sodass Analogien problematisch seien.
    Da die Plazenta als eine Art Filter fungiert, enthält sie darüber hinaus verschiedene Schadstoffe, beispielsweise eine hohe Schwermetallkonzentration. Das ist nicht nur für die Mutter ungesund, sondern die Schadstoffe können über die Muttermilch auch zurück zum Kind gelangen, obwohl das Organ sie ursprünglich vom Baby fernhalten sollte.
    Solltest Du Dich dennoch für die Plazentophagie interessieren, lass Dich am besten von Deiner Ärztin/Deinem Arzt beraten, um kein gesundheitliches Risiko einzugehen.
  • Plazentanosoden herstellen lassen

    Nosoden sind homöopathische Arzneimittel, deren Ausgangsstoff „krankhaftes“ Material oder körpereigene Bestandteile sind. Eingenommen werden sie in Form von Globuli. Zur Herstellung von Plazentanosoden wird ein etwa bohnengroßes Stück aus dem Organ herausgeschnitten und in ein Fläschchen mit einer speziellen Lösung gelegt. Dieses erhältst Du bei Apotheken, die die Herstellung der Nosoden anbieten. Anschließend gibst Du es dort wieder ab oder schickst es ein und erhältst die fertigen Globuli zurück.
    Dem Arzneimittel werden zahlreiche Wirkungen zugesprochen: Nach der Geburt soll es bei der Frau für eine schnellere Rückbildung sorgen, die Milchproduktion anregen, später den Abstillprozess unterstützen, Menstruationsbeschwerden lindern und im weiteren Lebensverlauf dann Abhilfe bei Wechseljahresproblemen bieten. Beim Kind angewendet sollen die Nosoden Koliken abschwächen und bei Kinderkrankheiten und -infekten unterstützend wirken. Aber auch anderen Familienmitgliedern helfen die Globuli angeblich bei Hauterkrankungen, Allergien, Migräne oder Atemwegsproblemen. Allerdings gibt es für all diese Wirkungen keine wissenschaftlichen Beweise.
    Wenn Du Dich dafür interessierst, wende Dich am besten an eine Homöopathin/einen Homöopathen oder Deine Hebamme. Die Kosten der Herstellung liegen bei etwa 100 Euro.
  • Baum darauf pflanzen

    Die Plazenta wird aufgrund ihres Aussehens – die Oberfläche besteht aus zahlreichen Verästelungen – auch als Lebensbaum bezeichnet. Daher erscheint der Brauch, die Plazenta zu vergraben und einen Baum darauf zu pflanzen, geradezu naheliegend. Manchen Eltern gefällt die Symbolik, dass aus dem Organ, welches ihr Kind ins Leben hinein begleitet hat, nach der Geburt neues Leben erwächst.

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  • Plazenta-Bild

    Falls Du eine bildliche Erinnerung an Deine Plazenta behalten möchtest, kannst Du sie zum Beispiel fotografieren. Nicht nur viele Hebammen, sondern auch einige Mütter sind von der Optik dieses wundersamen Organs fasziniert. Ein etwas abstrakteres Andenken kann ein Plazentaabdruck sein. Hierfür wird der Mutterkuchen kurz nach der Geburt auf ein Blatt Papier gepresst. Wenn Dir das zu blutig ist, kannst Du die Plazenta auch abwaschen (lassen) und für den Abdruck Farbe verwenden.
  • Plazenta-Kosmetik

    Diese Verwendungsform ist zugegebenermaßen schon ein wenig in die Jahre gekommen, denn sie war vor allem in den 1980er Jahren populär: Kosmetik mit Bestandteilen aus Plazenten. Den darin enthaltenen Wachstumshormonen wurde eine hautverjüngende Wirkung nachgesagt, weswegen sie vor allem in Gesichtscremes und -masken enthalten waren. Auch wenn der Trend mit der Entdeckung des HI-Virus wieder abebbte, sind entsprechende Kosmetika nach wie vor auf dem Markt erhältlich. Ihre Wirkung ist jedoch nicht wissenschaftlich belegt.
  • Der Forschung spenden

    Du möchtest Deiner Plazenta nach der Geburt noch einen zweiten Nutzen schenken, aber selbst lieber Abstand davon nehmen? Dann kannst Du das Organ auch der Forschung spenden. In der Pharmaforschung werden Plazenten etwa zur Entwicklung von Medikamenten verwendet, die das Abstoßen von transplantierten Organen verhindern sollen. Hierfür werden diejenigen Stoffe aus dem Mutterkuchen extrahiert, die den Körper davon abhalten, das Kind als Fremdkörper abzustoßen. Wenn Du in einem Krankenhaus entbindest, wirst Du vielleicht ohnehin gefragt, ob Du Deine Plazenta zur Verfügung stellen möchtest. In einem Geburtshaus oder bei einer Hausgeburt musst Du die Spende dagegen wahrscheinlich selbst organisieren.

Das Thema „Plazenta“ und was nach der Geburt mit ihr passiert, polarisiert wie wohl kaum ein anderes. Was die einen als abstoßend empfinden, ist für andere ein symbolträchtiges oder stärkendes Ritual. Am Ende ist jedoch die Hauptsache, dass es sich für Dich richtig anfühlt. Du solltest Dich wegen einer vermeintlichen Wirkung zu nichts zwingen, wogegen Du eine Abneigung verspürst. Scheue Dich auch nicht, mit Deiner Hebamme über das Thema zu sprechen. Sicherlich kann sie Dir noch einiges über das faszinierende Organ weitergeben. Wir hoffen, wir konnten Dir bereits vorab einen kleinen Einblick geben!