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Die Schwangerschaft ist eine schöne und spannende Zeit, aber sie verläuft leider nicht immer ganz ohne Komplikationen. Eine dieser möglichen Komplikationen ist die der Präeklampsie, die umgangssprachlich auch Schwangerschaftsvergiftung genannt wird. Sie tritt meist erst nach der 20. Schwangerschaftswoche und bei etwa sechs bis acht Prozent aller schwangeren Personen auf. Hier erfährst Du, wie die Symptome und Risikofaktoren einer Schwangerschaftsvergiftung aussehen und wie sie diagnostiziert und behandelt wird.

Anzeichen und Symptome der Schwangerschaftsvergiftung

Die Präeklampsie ist zwar im Volksmund als Schwangerschaftsvergiftung bekannt, das ist aber nicht ganz zutreffend, denn der Begriff umfasst gleich mehrere schwangerschaftsspezifische Erkrankungen. Eine Präeklampsie entsteht nach derzeitigem Kenntnisstand, wenn die befruchtete Eizelle sich nicht richtig in die Gebärmutterschleimhaut einnistet. Anzeichen für eine Präeklampsie können sehr unspezifisch sein, sie hängen von der Art der Erkrankung ab und davon, wie weit sie bereits fortgeschritten ist. Klinisch spricht man von einer Präeklampsie bei erhöhtem Blutdruck und zusätzlich vermehrter Eiweißausscheidung über den Urin, häufig in Verbindung mit zunehmenden Wassereinlagerungen in Füßen und/oder Hände, in extremen Fällen auch im Gesicht.

Bei vielen Schwangeren treten außerdem Kopfschmerzen, Lichtempfindlichkeit, Übelkeit, Erbrechen, Schmerzen im rechten Oberbauch oder Störungen des Nervensystems, zum Beispiel Sehstörungen, auf. All diese Symptome können, müssen aber nicht auf eine Präeklampsie hindeuten. Sprich deshalb am besten mit Deiner Ärztin/Deinem Arzt darüber, sollten solche Beschwerden bei Dir auftauchen. Anzeichen, die Deine Ärztin/Dein Arzt bei der Vorsorgeuntersuchung im Falle einer Präeklampsie außerdem feststellen könnte, sind Wassereinlagerungen in der Lunge, beeinträchtigte Nierenfunktion, zu wenige Blutplättchen oder dass Dein Baby ungewöhnlich klein ist. Im schlimmsten Fall kann die Präeklampsie zu einer Eklampsie (neurologische Störungen und schwere Krampfanfälle) oder zum HELLP-Syndrom (Störung der Leberfunktion und Blutgerinnung) führen. Das kann sowohl für Dich als Schwangere als auch für Dein ungeborenes Baby gefährlich werden. Deshalb ist es sehr wichtig, die Anzeichen ernst zu nehmen und sie von Deiner Ärztin/Deinem Arzt abklären zu lassen. In der Praxis kannst Du auch präventiv feststellen lassen, ob bei Dir ein erhöhtes Risiko für eine Präeklampsie besteht.

Risikofaktoren für eine Schwangerschaftsvergiftung

  • Erhebliches Übergewicht

  • Präeklampsie in einer vorausgegangenen Schwangerschaft

  • Präeklampsie bei der Mutter oder Schwester

  • Diabetes mellitus

  • Bluthochdruck

  • Nierenerkrankungen

  • Lebererkrankungen

  • Alter über 40 Jahre

  • Autoimmunerkrankungen

  • Blutgerinnungsstörung

Befürchtet Deine Ärztin/Dein Arzt ein besonders hohes Präeklampsierisiko, kann aber auch eine Frühdiagnostik sinnvoll sein. Ein solches Risiko besteht zum Beispiel bei Müttern, die in einer vorangegangenen Schwangerschaft bereits eine Präeklampsie mit Komplikationen wie etwa einer Frühgeburt oder einer frühzeitigen Plazentalösung hatten. In diesem Fall kann bereits im ersten Trimester eine spezielle Ultraschalluntersuchung der Gebärmuttergefäße einen Hinweis auf eine spätere Präeklampsieentwicklung geben. Zudem ist es möglich, über spezielle Blutuntersuchungen das individuelle Risiko für eine Präeklampsie zu bestimmen. Sollten bei diesen Untersuchungen Auffälligkeiten erkannt werden, kann Deine Ärztin/Dein Arzt Dir Medikamente verschreiben, die einer Präeklampsie wirksam vorbeugen. Jüngsten Studien zufolge kann das Risiko so um über 60 Prozent reduziert werden.

Diagnose und Behandlung

Wenn Deine Ärztin/Dein Arzt den Verdacht einer Schwangerschaftsvergiftung hat, wird sie oder er zunächst an beiden Armen Deinen Blutdruck messen. Außerdem wird Dein Urin auf Eiweiß und Dein Blut auf Eiweiß, Leberenzyme und niedrige Blutplättchen-Anzahl untersucht. Dann wird eine Ultraschalluntersuchung (Dopplersonographie) gemacht, um die Größe Deines Babys und seine Blutversorgung zu überprüfen. Am Wehenschreiber (CTG) überwacht Deine Ärztin/Dein Arzt den Herzschlag Deines Babys und eventuelle Wehentätigkeiten. Zusätzlich kann eine Sonografie zur Untersuchung Deiner Leber gemacht werden.

Die Behandlung einer Schwangerschaftsvergiftung hängt stark von den Symptomen ab. Bei einer leichten Form und im Frühstadium der Präeklampsie genügt es oft, wenn Du Dich schonst und eventuell Bettruhe einhältst. Vielleicht wird Deine Ärztin/Dein Arzt Dir auch blutdrucksenkende Mittel verschreiben.

Gehen die Symptome dann nicht zurück oder Dein Blutdruck steigt weiter, kann es notwendig sein, Dich im Krankenhaus weiter zu behandeln, denn hier kannst Du genau überwacht sowie schnell und kompetent versorgt werden. Im Rahmen einer stationären Aufnahme werden neben einem Blutdruckprotokoll auch die absolute Menge an Eiweiß im Urin über 24 Stunden und Dein Blut ausführlich untersucht. Du kannst auf verschiedene blutdrucksenkende Mittel eingestellt werden und eventuell bekommst Du Magnesium, um Krämpfen vorzubeugen. Außerdem wird Dein Baby mit dem CTG ständig überwacht. Leider kann es vorkommen, dass Dein Baby frühzeitig auf die Welt kommen muss, um Risiken für Dich oder das Baby zu vermeiden. Besonders im Falle eines HELLP-Syndroms muss die Schwangerschaft oft früher beendet werden. Auch für diesen Fall bist Du im Krankenhaus, idealerweise mit einer Frühchenstation, am besten versorgt.

Heutzutage sind Spätfolgen für Mütter und Babys, bei denen eine Schwangerschaftsvergiftung vorlag, glücklicherweise sehr selten geworden. Das liegt vor allem daran, dass die Krankheit im Rahmen der normalen Vorsorgeuntersuchungen meist sehr früh erkannt und therapiert wird. Besonders wenn Risikofaktoren der Präeklampsie auf Dich zutreffen (aber natürlich auch sonst), ist es deshalb wichtig, dass Du Deine Vorsorgetermine wahrnimmst und Deine Ärztin/Deinen Arzt in Deine Sorgen und Fragen einweihst. So werden Du und Dein Baby optimal betreut und ihr könnt die Schwangerschaft beruhigt genießen.

Häufig gestellte Fragen

Unter dem Begriff "Präeklampsie" fasst man mehrere, schwangerschaftsspezifische Erkrankungen zusammen. Sie alle entstehen nach derzeitigem Kenntnisstand, wenn die befruchtete Eizelle sich nicht richtig in die Gebärmutterschleimhaut einnistet.

Anzeichen für eine Präeklampsie können sehr unspezifisch sein, sie hängen von der Art der Erkrankung ab und davon, wie weit sie bereits fortgeschritten ist. Häufige Symptome sind erhöhter Blutdruck und vermehrte Eiweißausscheidung über den Urin.

Das hängt von Symptomen und Verlauf der Erkrankung ab. Oft reichen Schonung und Bettruhe aus. Du kannst auf verschiedene blutdrucksenkende Mittel eingestellt werden und eventuell bekommst Du Magnesium, um Krämpfen vorzubeugen. Nur im schlimmsten Fall kann es sein, dass die Geburt vorzeitig eingeleitet werden muss.

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