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Viele frischgebackene Eltern schauen ganz genau hin, wenn es um die Entwicklung ihres Babys geht, um ja keinen Meilenstein zu verpassen. Seine körperlichen Veränderungen lassen sich dabei ganz genau messen und zumindest in den ersten Monaten können Eltern Wachstum und Gewichtszunahme sogar mit zahlreichen Tabellen abgleichen. Anders sieht es mit der geistigen, der sogenannten kognitiven Entwicklung aus, die nicht immer auf den ersten Blick ersichtlich ist. In diesem Artikel erfährst Du, was genau man unter den kognitiven Fähigkeiten versteht, wie Du die Entwicklung an Deinem Baby beobachten und es beim Lernen unterstützen kann

Was sind kognitive Fähigkeiten?

Wenn Dein Baby auf die Welt kommt, sind alle körperlichen Fähigkeiten, die sein Überleben sichern, bereits in seinem autonomen Nervensystem angelegt. Die Bereiche im Gehirn, die Deinem kleinen Entdecker helfen, seine Umwelt zu verstehen und sich selbst zu begreifen, müssen sich hingegen noch entwickeln. Zu diesen sogenannten kognitiven Fähigkeiten gehören Sprachverständnis und Wahrnehmung ebenso wie Denkstrukturen, Gedächtnis und die Fähigkeit zur Problemlösung. Daher wird die kognitive auch häufig als geistige Entwicklung bezeichnet. Die kognitiven Fähigkeiten sind eng verknüpft mit der sinnlichen Wahrnehmung, also dem Hören, Sehen und Fühlen. Aber auch Reifung und Erfahrung spielen eine wichtige Rolle beim Prozess, immer komplexer zu denken und folglich zu handeln.

Diese Entwicklung erfolgt nicht linear, sondern sprunghaft und ganz individuell. Auch wenn Kinder gewisse Meilensteine typischerweise in einem bestimmten Alter erreichen, musst Du Dir also nicht sofort den Kopf darüber zerbrechen, wenn Dein Kind etwas länger braucht. Vielleicht erkundet Dein Entdecker seine Welt schon früh auf eigenen Beinen, zählt aber eher zur schweigsamen Sorte – Kinder lernen letztendlich immer in ihrem eigenen Tempo. Auch die Übersicht in diesem Artikel soll deshalb lediglich als grobe Orientierung dienen. Wenn Du Bedenken hast, was die Entwicklung Deines Babys angeht, sprich am besten mit Deiner Kinderärztin/Deinem Kinderarzt darüber. Wie Du bei Vergleichen zwischen Eltern und ihren Sprösslingen auf dem Spielplatz oder in der KiTa gelassen bleibst, erfährst Du im Artikel „Vergleiche unter Eltern“.

Wie entwickeln sich die kognitiven Fähigkeiten?

Die kognitiven Fähigkeiten entwickeln sich nach und nach. Basis für die kognitive ist in vielen Fällen die körperliche Entwicklung Deines kleinen Entdeckers, sodass kognitiven Meilensteinen häufig physische vorausgehen. Die wichtigsten Entwicklungen haben wir unten aufgeführt. Bedenke jedoch, dass die Zeitangaben nur der Orientierung dienen und es durchaus sein kann, dass Dein Baby ein wenig früher oder später dran ist – schließlich entwickelt sich jedes Kind individuell und in seinem eigenen Tempo.

In den ersten Wochen

  • Dein Baby sieht circa 20 bis 25 Zentimeter weit, unscharf und in Grautönen

  • Es nimmt auch Formen und Muster wahr, reagiert aber vor allem auf Hell-Dunkel-Kontraste

  • Es reagiert auf Geräusche, besonders auf die menschliche Sprache und kann die Stimme seiner Mutter von anderen unterscheiden

  • Dein Baby sucht nach Stimmen und Geräuschen und wendet sich ihnen zu

Bis zum 3. Monat

  • Dein kleiner Entdecker beobachtet seine Umgebung aufmerksam und sucht mit den Augen nach Geräuschquellen

  • Gegenstände kann er zunächst nur kurzzeitig fixieren

  • Dein Baby zeigt erste Zeichen des Wiedererkennens bekannter Gesichter und schenkt Dir wahrscheinlich sein erstes bewusstes Lächeln

  • Es hat jetzt die Fähigkeit, verschiedene Farben wahrzunehmen

Bis zum 6. Monat

  • Dein Baby entdeckt die Welt mehr und mehr mit allen Sinnen

  • Es beginnt, räumlich zu sehen und Gegenstände zu erkennen

  • Dein Kind nimmt bereits wahr, wenn ein Gegenstand auf es zukommt, sieht, ob sich ein Gegenstand in Greifnähe befindet und begreift, dass es ihn bewegen kann

  • Seine Spielsachen betrachtet es nun vermutlich bewusster und untersucht sie mit dem Mund

  • Es beginnt, Zusammenhänge zu verstehen und streckt beispielsweise die Arme, wenn es auf den Arm genommen werden möchte

  • Das Denken Deines Babys wird abstrakter und es kann bereits verschiedene Sinneseindrücke zusammenfassen – so begreift es etwa, dass Katzen und Hunde beide Tiere sind

  • Die Sprachentwicklung beginnt zunehmend mit eigenen Lauten wie Gurren oder Quieken, die auch durchaus seine Stimmungslage reflektieren können

Bis zum 9. Monat

  • Dein Kind versteht nun schon erste Worte und erkennt seinen eigenen Namen

  • Es lernt jetzt viel durch Kommunikation und mit gezielten Fragen kannst Du sein Verständnis von Zusammenhängen fördern (zum Beispiel „Wo ist der Ball?“)

  • Dein Baby begreift mehr und mehr, dass es aktiv handeln kann und nimmt sich Dinge bewusst vor, zum Beispiel durch den Raum zu krabbeln

  • Spielzeug nimmt es nicht mehr nur in den Mund oder haut damit auf den Boden, es merkt jetzt, dass das Auto fahren kann oder man mit dem Teddy kuscheln kann

  • Ursache und Wirkung werden Deinem Kind immer klarer und es erprobt sie spielerisch: „Was passiert, wenn ich auf den Knopf drücke?“

  • Dein Entdecker kann nun Personen voneinander unterscheiden und beginnt, sich auch für andere Kinder zu interessieren, Fremde können es dadurch ängstigen.

  • Bis es etwa acht Monate alt ist, existiert für Dein Kind nur das, was es auch sieht – wenn Du aus seinem Blickfeld verschwindest, bist Du weg

  • Ab dem achten oder neunten Monat kann es Erinnerungen kurz abspeichern und beginnt zu begreifen, dass auch Dinge außerhalb seines Sichtfeldes noch vorhanden sind

  • Das spiegelt sich wahrscheinlich auch in seinem Spiel wider, wenn es beispielsweise immer wieder überprüft, ob das Spielzeug unter der Decke noch da ist

Bis zum 12. Monat

  • Dein Kind schläft nun tagsüber immer weniger und fordert mehr Unterhaltung

  • Es kann immer besser einschätzen, was passiert, wenn es sich für bestimmte Handlungen entscheidet

  • Dein kleiner Entdecker verwendet Gesten, zeigt zum Beispiel darauf, was es haben will

  • Auch seine Sprachentwicklung macht große Fortschritte: Er gibt nun bewusste Laute und Silbenketten von sich, aus denen nach und nach die ersten Wörter werden

Bis 1,5 Jahre

  • Die räumliche Vorstellung Deines Kindes beginnt, sich zu entwickeln

  • Mit Vorliebe räumt es nun Dinge ein und aus oder stapelt Gegenstände

  • Spielzeug, das vor seinen Augen versteckt wurde, findet es nun

  • Dein Kind setzt seine Erfahrung nun immer aktiver ein, möchte vieles selber machen und interessiert sich dafür, wie die Dinge funktionieren

  • Dein Kind lernt durch Nachahmung: Es kopiert jetzt die Gesten und Tätigkeiten von Bezugspersonen

  • Es zeigt mit Wörtern und Gesten, was es möchte

Bis 2 Jahre

  • Dein Kind erkennt, dass Gegenstände gleich oder unterschiedlich groß sein können und beginnt, Gegenstände nach Eigenschaften wie Formen oder Farben zu sortieren

  • Durch Versuch und Irrtum löst es Probleme selbstständig und benutzt beispielsweise Hilfsmittel, um an Spielzeug zu gelangen

  • Dein kleiner Entdecker kann „so tun als ob“ und bewusst Menschen oder Tiere imitieren

Ab 2 Jahren

  • In diesem Alter hat Dein Kind eine stabile innere Vorstellung von Gegenständen und Handlungen, was sich auch im Spiel zeigt: Es spielt zum Beispiel Alltagsszenen mit Puppen oder Stofftieren nach

  • Auf Aufforderung kann es seine Nase und seine Ohren zeigen

  • Dein Kind entwickelt die Fähigkeit, sich die Ergebnisse seiner Handlungen vorzustellen, ohne sie praktisch ausführen zu müssen

  • Es kann sich im Spiel Gegenstände ausdenken oder ersetzen (ein Karton wird so zum Beispiel zum Auto)

  • Denken und Tun können jedoch auch noch verwechselt werden

  • Auch die Fähigkeit, sich in andere hineinzuversetzen, muss Dein Kind erst noch entwickeln

Wie kann ich die kognitive Entwicklung unterstützen?

Dein Baby ist von Geburt an begierig darauf, sein Umfeld zu verstehen und daran teilzuhaben – es lernt also ganz automatisch jeden Tag dazu. Trotzdem kannst Du Dein Kind dabei unterstützen und seine kognitive Entwicklung von Anfang an sanft fördern. Dein kleiner Entdecker lernt ganz spielerisch und daran, womit er sich gerne beschäftigt, lässt sich gut ablesen, welche Entwicklung er gerade durchmacht. Erfahrungen, die seine kognitiven Fähigkeiten stärken, sammelt Dein Kind vor allem im Miteinander, der Kommunikation und dem Austausch mit Bezugspersonen. Das kannst Du fördern, indem Du von Anfang an viel mit Deinem Baby sprichst, mit ihm kommunizierst und ihm vorliest. Wenn es älter wird, ist altersgerechtes Spielzeug besonders gut geeignet, die natürlichen Entwicklungsschritte Deines Entdeckers zu unterstützen und seine Neugierde zu wecken. Beispielsweise kann er mit Steck-, Stapel- und Sortierspielen üben, verschiedene Formen und Farben zu erkennen und zuzuordnen – ganz nebenbei trainiert er dabei seine Feinmotorik. Achte jedoch darauf, Dein Kind nicht durch zu viel Spielzeug zu überreizen. Auch seine Konzentrationsfähigkeit muss sich erst entwickeln und je jünger es ist, desto schwerer fällt es ihm noch, sich länger auf eine Tätigkeit zu konzentrieren. Schaffe daher am besten ein möglichst ruhiges Umfeld für Lernspiele. Ein großes Lob hat sich Dein fleißiger Liebling selbstverständlich immer verdient. ;)

Sicher ist es auch für Dich faszinierend, Dein Kind dabei zu beobachten, wie es nach und nach Fähigkeiten entwickelt, die uns Erwachsenen häufig so selbstverständlich scheinen. Der Lernprozess beruht dabei auf dem komplexen Zusammenspiel körperlicher Voraussetzungen, Reifung und Erfahrung. Mach Dir deshalb keine Gedanken, wenn Dein kleiner Entdecker für den ein oder anderen Meilenstein etwas länger benötigt. Schließlich sorgt seine natürliche Neugierde ganz automatisch für einen gesunden Ehrgeiz und mit ausreichend Zeit zum Ausprobieren und Erkunden wird er schon bald nicht mehr aufzuhalten sein. :)

Häufig gestellte Fragen

Zu den kognitiven zählen Sprachverständnis und Wahrnehmung, Denkstrukturen, Gedächtnis und die Fähigkeit zur Problemlösung. Diese geistigen Fähigkeiten entwickeln Kinder nach und nach in den ersten Lebensjahren.

Kinder lernen automatisch von Tag zu Tag dazu und lernen von selbst. Durch die Kommunikation und den Austausch mit Bezugspersonen und durch altersgerechte Spiele wie Steck-, Stapel- und Sortierspiele kann seine natürliche Entwicklung jedoch unterstützt werden.

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