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Geburt & Wochenbett Path 2 Created with Sketch. Dammriss und andere Geburtsverletzungen
Dammriss und andere Geburtsverletzungen

Dammriss und andere Geburtsverletzungen

Antworten auf die 7 wichtigsten Fragen zur Vorbeugung, Entstehung und Heilung

Jede werdende Mama wünscht sich wohl eine möglichst komplikationslose Geburt. Über mögliche Verletzungen wird in Zusammenhang mit dem großen Tag nur selten gesprochen. Dabei sind Verletzungen im Intimbereich bei einer natürlichen Geburt nichts Ungewöhnliches – aber meist auch nicht so schlimm, wie Dein Kopfkino es vielleicht vermuten lässt. ;) In diesem Artikel erfährst Du, welche Geburtsverletzungen auftreten können, ob sie sich vermeiden lassen und was Du tun kannst, um den Heilungsverlauf zu fördern.

1. Welche Geburtsverletzungen gibt es?

Während einer vaginalen Geburt können verschiedene Verletzungen im gesamten Geburtsbereich, also an Damm, Vagina, Schamlippen, Klitoris, der inneren Beckenmuskulatur, Schließmuskel und Muttermund, auftreten.

Die meisten Frauen spüren nach der Geburt ein leichtes Wundgefühl an Vagina und Damm, da dieser Bereich während der Entbindung besonders gedehnt und belastet wird. Grund für das Wundgefühl sind winzige Faserrisse, die durch die starke Dehnung am empfindlichen Gewebe entstehen können. Viele Frauen spüren die Schürfungen kaum, andere empfinden sie ähnlich einem starken Muskelkater.

Auch Blutergüsse (Hämatome) können im Vaginalbereich auftreten: Wenn das Gewebe während der Geburt stark gedehnt wird, können dabei Blutgefäße beschädigt werden. Dann fließt das Blut in umliegendes Gewebe ab, dieses schwillt an und ein Bluterguss entsteht. Nicht immer sind Hämatome nach der Geburt auch sichtbar, meist machen sie sich durch leichte Schmerzen beim Sitzen, Laufen oder beim Gang auf die Toilette bemerkbar.

Auch wenn das erstmal unangenehm klingen mag, bilden sich sowohl leichte Risse als auch Blutergüsse in der Regel innerhalb weniger Tage nach der Geburt von ganz alleine zurück.

Neben diesen leichten Blessuren, die die meisten Frauen nach einer natürlichen Geburt davontragen, kann es zu Rissverletzungen im gesamten Geburtsbereich kommen. Am bekanntesten (und am gefürchtetsten) ist wohl der Dammriss. Doch keine Angst: Nur sehr wenige Frauen erleiden einen schweren Dammriss, meist handelt es sich dabei um leichte Verletzungen, die komplikationslos wieder abheilen.

2. Was ist der Unterschied zwischen Dammriss und Dammschnitt?

Als Damm bezeichnet man den Verbindungssteg zwischen Vagina und After, bestehend aus Haut, Muskeln, Unterfett und Bindegewebe. Durch den Druck des Babykopfes wird das empfindliche Gewebe während einer natürlichen Geburt immer belastet und stark gedehnt. Wenn Kopf und Schultern Deines Babys auf die Welt kommen, kann es passieren, dass der Damm so stark gedehnt wird, dass er einreißt. Je nach Stärke und Umfang der Risse werden die Verletzungen in vier Schweregrade eingeteilt.

1. Grad
  • Oberflächliche Risse der Vaginal- und/oder Dammhaut
  • Je nach Größe werden die Risse unter lokaler Betäubung mit einer kleinen Naht verschlossen oder heilen von alleine
  • Wundheilung verläuft in der Regel ohne Komplikationen
2. Grad
  • Zusätzlich zu Rissen in der Haut kommt es zu Verletzungen der oberflächlichen Dammmuskulatur
  • Verletzungen werden unter lokaler Betäubung genäht
  • Wundheilung verläuft in der Regel ohne Komplikationen
3. Grad
  • Teilweises oder vollständiges Reißen des Schließmuskels
  • Verletzungen meist unter lokaler Betäubung genäht, in seltenen Fällen unter Vollnarkose
4. Grad
  • Verletzungen am Schließmuskel und Einreißen der Darmschleimhaut
  • Verletzungen werden genäht, meist unter Vollnarkose und durch einen Allgemeinchirurgen
  • Kann in Ausnahmefällen zu Folgekomplikationen, wie Infektionen, Stuhlinkontinenzen oder Schmerzen beim Geschlechtsverkehr führen

Wenn von Dammriss die Rede ist, handelt es sich meist um Verletzungen des ersten oder zweiten Grades. Schwerere Geburtsverletzungen und besonders ein Dammriss vierten Grades treten nur in sehr seltenen Fällen auf.

Auch der Dammschnitt (Episiotomie) zählt zu den Geburtsverletzungen. Dabei wird der Damm während der Geburt – meist während einer Presswehe – rechts seitlich am After vorbei eingeschnitten, um das unkontrollierte Einreißen des Gewebes und somit den Dammriss 4. Grades, das Einreißen der Darmschleimhaut, zu vermeiden. Außerdem kann eine kontrollierte Episiotomie gegen Ende der Geburt dabei helfen, den Geburtsvorgang zu beschleunigen. Auch wenn sie während der Geburt meist nichts vom Schnitt selbst spüren, empfinden viele Frauen den Heilungsverlauf nach einem Dammschnitt unangenehmer als nach einem -riss. Nicht nur deshalb ist dieses Vorgehen heutzutage umstritten: Einige Expertinnen/Experten argumentieren, dass ein Dammschnitt die Wahrscheinlichkeit für Damm- und Scheidenrisse nicht senke und in vielen Fällen vermeidbar sei. Auch wenn die Zahl der Dammschnitte daher in den letzten Jahren deutlich zurückgegangen ist, gibt es bestimmte Situationen, die den gezielten Schnitt notwendig machen: Wenn die Geburt schnell gehen muss, zum Beispiel weil die Versorgung des Kindes nicht mehr ausreichend gewährleistet ist, kann ein Dammschnitt, je nach Situation, sinnvoll sein.

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3. Kann ich Geburtsverletzungen vorbeugen?

Nicht bei jeder vaginalen Entbindung kommt es zwangsläufig zu Geburtsverletzungen. Faktoren wie Gewicht, Lage und Kopfumfang des Babys, Geburtsgeschwindigkeit sowie Höhe und Dehnbarkeit des Dammes haben Einfluss darauf, ob der empfindliche Intimbereich Verletzungen davonträgt oder nicht. Die Wahrscheinlichkeit für Geburtsverletzungen sinkt außerdem mit der Zahl an vaginalen Geburten, die eine Frau bereits hinter sich hat.

Bereits vor der Geburt kannst Du Deinen Damm mit einer Dammmassage auf die Belastung und die Dehnung vorbereiten und so versuchen, einem Dammriss vorzubeugen. Zwar ist eine Dammmassage keine Garantie dafür, dass Geburtsverletzungen ausbleiben, sie trägt aber dazu bei, das Gewebe geschmeidiger zu machen. Außerdem hilft sie vielen werdenden Mamas, sich auf die Geburt einzustellen und dieser etwas gelassener entgegenzublicken. Alles rund um die Massage und eine genaue Anleitung findest Du in unserem Artikel „Dammmassage zur Geburtsvorbereitung“.

Auch während der Geburt gibt es einige Dinge, die Du tun kannst, um die Wahrscheinlichkeit für Verletzungen zu senken. So spielt beispielsweise die Geburtsposition eine wichtige Rolle: In der „klassischen“ Geburtsposition etwa, mit angewinkelten Beinen auf dem Rücken liegend, ist die Belastung für den Damm am höchsten. Im Vierfüßlerstand oder in der Seitenlage ist der Druck auf den Damm etwas niedriger und die Wahrscheinlichkeit für Risse im empfindlichen Gewebe sinkt. Sprich am besten mit Deiner Hebamme darüber, welche Haltung in welcher Phase der Geburt am vorteilhaftesten ist. Eventuell wird sie Dich während der Geburt dazu anleiten, die Position zwischendurch zu wechseln. Je nach Geburtsfortschritt und Lage des Kopfes Deines Kindes kann Deine Hebamme am besten beurteilen, welche Position gerade am besten für Dich und Dein Baby ist.

Meist treten Geburtsverletzungen in der finalen Phase der Geburt auf, der sogenannten Austreibungsphase. In dieser Phase, wenn das Köpfchen den Damm am meisten dehnt, kann Deine Hebamme Deinen Damm von außen stützen, um die Spannung des Köpfchens etwas abzubremsen. Außerdem wird sie Dich dazu anleiten, bewusst die Wehen zum Pressen zu nutzen. So wird vermieden, dass Dein Damm durch konstantes Pressen unnötig belastet wird. Auch wenn Du es in dieser Situation vielleicht kaum noch erwarten kannst, Dein Baby endlich auf die Welt zu bringen, ist es durchaus sinnvoll, zwischen den Wehen kurz innezuhalten oder diese sogar zu veratmen. So kann sich das Dammgewebe langsam dehnen und Geweberisse können vermindert werden.

Deine Frauenärztin/Dein Frauenarzt beziehungsweise Deine Hebamme werden Deinen Damm während des Geburtsverlaufes im Blick haben und alles versuchen, das Verletzungsrisiko möglichst zu minimieren.

4. Wie werden Geburtsverletzungen versorgt?

Nach der Geburt wird Deine Frauenärztin/Dein Frauenarzt oder Deine Hebamme den Geburtsbereich auf mögliche Verletzungen untersuchen und entscheiden, ob eine Wundversorgung notwendig ist. Bei Schürfwunden und kleineren, oberflächlichen Rissen ist in der Regel keine Naht notwendig, sie heilen innerhalb weniger Tage von selbst. Bei Blutungen oder wenn die Wundränder nicht genau aufeinander liegen, kann eine Naht jedoch schon bei kleinen Rissen sinnvoll sein, um die Wundheilung zu fördern. Ist eine Naht erforderlich, wird diese direkt nach der Geburt in der Regel noch im Kreissaal und unter Betäubung durchgeführt – vermutlich wirst Du davon gar nicht viel mitbekommen, da Du zur gleichen Zeit Dein Baby zum ersten Mal in den Armen hältst.

Deine Hebamme oder Deine Frauenärztin/Dein Frauenarzt wird die Geburtsverletzungen auch während des Wochenbetts weiterhin regelmäßig kontrollieren, um sicherzustellen, dass der Heilungsverlauf gut voranschreitet.

5. Muss ich nach Geburtsverletzungen mit Schmerzen rechnen?

Auch wenn Du nur leichte Verletzungen von der Geburt davongetragen hast, können diese in den ersten Tagen unangenehm oder sogar schmerzhaft sein. Da jede Frau die Verletzungen jedoch anders empfindet ist es schwierig, genaue Aussagen darüber zu treffen. Wenn Du die Schmerzen als sehr unangenehm empfindest, kannst Du mit Deiner Ärztin/Deinem Arzt oder Deiner Hebamme darüber sprechen, ob die Einnahme von Schmerzmitteln sinnvoll ist und welche Du nehmen kannst. Bei länger anhaltenden Schmerzen, Schwellungen, Blutungen oder anderen Auffälligkeiten solltest Du in jedem Fall Deine Ärztin/Deinen Arzt informieren. Dann könnten eventuell eine Wundheilungsstörung oder eine Infektion der Grund für die Beschwerden sein, die behandelt werden sollten.

Vielen Frauen mit Geburtsverletzungen bereitet der Gedanke an den ersten Stuhlgang nach der Geburt Sorgen. Mit einer ballaststoffreichen Ernährung (Ballaststoffe sind zum Beispiel in Leinsamen oder Trockenobst enthalten) und ausreichend Flüssigkeit sorgst Du dafür, dass Dein Stuhl weich wird und Dir hoffentlich keine Schwierigkeiten bereitet. Die Naht sollte durch den Toilettengang nicht beeinträchtigt werden.

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6. Wie kann ich den Heilungsverlauf unterstützen?

Wenn Deine Verletzungen nach der Geburt genäht wurden, lösen sich die Fäden in der Regel innerhalb von 10 bis 14 Tagen auf. Bis eine Geburtsverletzung komplett verheilt ist, können aber einige Wochen vergehen. Wie die Wundheilung abläuft, ist sehr individuell und hängt von der Art und Stärke der Verletzungen ab. Es gibt jedoch einige Dinge, auf die Du achten kannst, um den Heilungsverlauf zu unterstützen:

  • Die Wunde sauber und trocken halten

    Spüle die Wunde mehrmals am Tag mit warmem Wasser ab und tupfe sie anschließend vorsichtig trocken. Viele Frauen verbinden das mit dem Toilettengang. Nimm dazu einfach einen Messbecher mit lauwarmem Wasser zur Hilfe, das Du beim Urinieren zwischen Deinen Beinen entlang des Intimbereichs laufen lässt. Das erleichtert einerseits die Hygiene und verdünnt außerdem den Urin, sodass das Wasserlassen in den ersten Tagen weniger brennt.

    Auch die Einlage solltest Du – je nach Stärke des Wochenflusses – regelmäßig alle paar Stunden wechseln, damit sich im feucht-warmen Klima keine Infektionen ausbreiten. Wenn Du zwischendurch immer mal wieder Luft an die Wunde lässt, hat auch das einen positiven Einfluss auf die Wundheilung. Du kannst Dich beispielsweise immer mal wieder „unten ohne“ bäuchlings auf Dein Bett legen (Unterlage nicht vergessen).

  • Möglichst wenig belasten

    Damit die Verletzungen in Ruhe verheilen können, achte darauf, den gesamten Geburtsbereich so wenig wie möglich zu belasten. Das heißt: Nimmt das Wochenbett ernst und bleibe so viel wie möglich liegen und laufe, sitze oder stehe so wenig wie möglich. Beim Sitzen solltest Du eine möglichst geschlossene Haltung wählen, also Schneidersitz und Co. vermeiden, um die Wunde nicht zu sehr zu dehnen. Ein weiches Kissen oder ein spezieller Sitzring als Unterlage tragen zur Schonung des Wundbereiches bei.

    Wenn Du Dein Baby stillst, sind einige Positionen besser geeignet als andere, um Deinen Damm und Beckenboden zu schonen. In unserem Artikel „Das Einmaleins der Stillpositionen“ erfährst Du, wie Du Dein Kind direkt nach der Geburt anlegen kannst, ohne den noch empfindlichen Geburtsbereich zu stark zu belasten.

  • Kühlen und pflegen

    In den ersten Tagen wird Dein Damm noch etwas unangenehm drücken. Dann kannst Du ihn vorsichtig kühlen, um Dir Erleichterung zu verschaffen und das Abschwellen zu fördern. Dazu kannst Du einige Einlagen mit pflegendem Öl (zum Beispiel Arnikaessenz oder dem LILLYDOO Mandelöl) tränken und einfrieren. Die gefrorenen Einlagen legst Du dann mehrmals täglich solange auf Deinen Damm, wie Du es als angenehm empfindest.

    Auch mit Sitzbädern kannst Du den beanspruchten Damm ungefähr ab dem vierten oder fünften Tag nach der Geburt pflegen. Dazu gibt es spezielle Bidet-Einsätze, eine saubere Schüssel oder eine über die Toilettenschüssel gestülpte Plastiktüte tun es aber auch. Achte darauf, dass die Wassertemperatur 37 Grad Celsius nicht übersteigt und das Sitzbad nicht länger als 15 Minuten dauert. Wenn Du möchtest, kannst Du auch einen entzündungshemmenden Zusatz aus der Apotheke oder eine kleine Menge eines ätherischen Öls wie Lavendel oder Kamille für das Sitzbad verwenden. Falls Du kein Sitzbad nehmen möchtest, gibt es auch spezielle Regenerations-Sprays für die Pflege des Damms nach der Geburt. Erkundige Dich am besten bei Deiner Hebamme, welches Produkt sie Dir empfehlen kann.

7. Was sind mögliche Folgen von Geburtsverletzungen?

Auch wenn Geburtsverletzungen in den ersten Tagen unangenehm sein können, verheilen sie bei guter Nachsorge meist problemlos, ohne langfristige Spuren zu hinterlassen. Dennoch kann es passieren, dass einige Frauen längerfristig mit den Folgen zu tun haben. In seltenen Fällen kommt es zu Infektionen im Wundbereich, die medizinisch behandelt werden müssen. Lass Deinem Körper also genügend Ruhe und Zeit für die ungestörte Wundheilung. Dazu zählt auch, es mit dem ersten postnatalen Sex nicht zu überstürzen: Während des Wochenflusses ist Geschlechtsverkehr zwar grundsätzlich möglich, Du solltest aufgrund der erhöhten Infektionsgefahr und um eine ungewollte erneute Schwangerschaft zu vermeiden aber in jedem Fall ein Kondom verwenden. Bei Geburtsverletzungen empfiehlt unsere Hebamme Sissi, nach der Geburt mit dem ersten Sex sechs Wochen zu warten. Bei starker Narbenbildung kann es vorkommen, dass Du den Geschlechtsverkehr zunächst noch als unangenehm empfindest. Geh die Sache also langsam an und nimm Dir die Zeit, die Du brauchst, um Dich wirklich bereit dafür zu fühlen.

Bei schweren Geburtsverletzungen, bei denen der Schließmuskel verletzt wurde, kann eine vorübergehende (Stuhl-)Inkontinenz auftreten. In der Regel normalisiert sich die Muskelfunktion jedoch innerhalb einiger Monate wieder.

Jede Geburt hinterlässt Spuren – im Übertragenen, aber manchmal auch im wörtlichen Sinne. Auch wenn Du Geburtsverletzungen sicher möglichst vermeiden willst, lasse Dich durch den Gedanken daran nicht zu sehr verunsichern, sondern versuche, der Geburt möglichst entspannt entgegenzublicken. Deine Hebamme hat viel Erfahrung mit den Verletzungen und wird Dir bei allen Fragen zur Seite stehen und Dich mit praktischen Hilfsmitteln unterstützen. Und Deinen kleinen Entdecker endlich in den Armen zu halten, wird Dich sowieso für alle Schmerzen entschädigen, sodass diese schon bald wieder vergessen sind.