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Im Elternleben gerätst Du immer wieder in Situationen, in denen Du eine Entscheidung treffen musst und Dich fragst „Was ist das Beste für mein Kind?“. Wenn dann aus Deinem Umfeld noch gut gemeinte Ratschläge dazukommen und selbsternannte Experten ihre Meinung dazugeben, kann das ganz schön verunsichern.

Dabei gibt es meist gar nicht die eine, richtige Antwort. Vielmehr muss jede Familie ihren eigenen, individuellen Weg finden. Wir sagen: Zeit, Du selbst zu sein. Mit LILLYDOO. Deshalb möchten wir in dieser Artikelreihe mit Mamas und Papas über verschiedene große Elternfragen sprechen und hören, wie sie sich entschieden haben.

Will ich als Mutter stillen? Und wenn ja, wie lange? Wie beeinflusst es die Beziehung zu meinem Baby, wenn ich ihm als Vater das Fläschchen gebe? Wird mein Kind später unter Allergien leiden, wenn es keine Muttermilch bekommt? Zu kaum einem Thema gibt es so kontroverse Meinungen – beide Optionen der Erstlingsernährung werden immer wieder wertend betrachtet und sind mit Vorurteilen behaftet. Nicht selten werden stillende Mütter in der Öffentlichkeit mit kritischen Blicken gestraft. Gleichzeitig werden Eltern dafür verurteilt, wenn sie ihrem Kind die Flasche geben und ihm so vermeintlich nur das „zweitbeste“ bieten. Dabei wird häufig übersehen, dass diese Entscheidung nicht nur in der Hand der Eltern liegt, beispielsweise wenn das Stillen nicht klappt oder die Umstände es nicht erlauben. Ebenso wenig gibt es nur „das Eine“ oder „das Andere“, sondern dazwischen noch eine Reihe an Kombinationsmöglichkeiten. In diesem Artikel erzählen eine Mama und ein Papa von ihrer Still- beziehungsweise Fläschchen-Geschichte, von den Vorteilen wie von den Nachteilen.

Alessandra hat ihre Tochter Arianna (3) gestillt

„Schon vor ihrer Geburt wusste ich, dass ich meine Tochter unbedingt stillen möchte. Es ist meiner Meinung nach einfach das Beste und Natürlichste, was man seinem Kind geben kann. Das Stillen war während dieser Zeit mein liebster Augenblick des Tages, es war unser gemeinsamer Moment, den wir miteinander geteilt haben. Es gibt so viele Mamas, die ihr Baby gerne stillen würden und nicht können, wir hatten also großes Glück.

Die Verbindung, die man als Mutter beim Stillen mit seinem Kind hat, ist unglaublich.

Zwar war der Stillstart mit meiner Tochter etwas holprig, mit etwas Übung hat es aber schließlich gut geklappt. Auch wenn es am Anfang schwierig war, wollte ich nicht auf Säuglingsnahrung umsteigen, weil ich so viel Milch hatte. Bis sie fünf Monate alt war, habe ich Arianna voll gestillt. Weil ich wieder in meinen Beruf zurückgekehrt bin, als sie sieben Monate alt war, haben wir dann angefangen, die Stillmahlzeit am Mittag zu ersetzen, damit sie sich langsam daran gewöhnt. Trotzdem habe ich ihr morgens und abends weiterhin die Brust gegeben, bis sie 15 Monate alt war. Als sie schließlich angefangen hat, mit uns zu frühstücken, habe ich sie nur noch zum Einschlafen gestillt. Das war für mich der einfachste Weg, sie in den Schlaf zu begleiten. Mit zwei Jahren hatte ich vor, komplett abzustillen, aber unser Kinderarzt hat mir davon abgeraten. Zu dem Zeitpunkt sind wir gerade umgezogen, Arianna hat mit der KiTa-Eingewöhnung begonnen und ich mit einem neuen Job – es war also ziemlich viel los. Erst als wir nach zwei Monaten gemerkt haben, dass es ihr mit all den Umstellungen gut geht, habe ich tatsächlich aufgehört zu stillen, was zum Glück ohne Probleme geklappt hat.

Wenn ich in der Öffentlichkeit gestillt habe, habe ich manchmal schräge Blicke bekommen, als würde ich etwas Skandalöses tun. Das hat mich schon aufgeregt, schließlich ist Stillen etwas ganz Natürliches. Als meine Tochter dann ein Jahr alt war, haben Leute angefangen zu fragen, warum ich immer noch stille. Davon habe ich mich aber nie beeinflussen lassen, der einzige Rat, dem ich gefolgt bin, war der unseres Kinderarztes. Er hat mich dazu ermutigt, so lange zu stillen, bis ich mich selbst bereit zum Aufhören fühle. Ich wäre auch bereit gewesen, noch länger zu stillen. Als meine Tochter aber immer selbstständiger wurde, habe ich gemerkt, dass der richtige Zeitpunkt zum Aufhören gekommen ist und wollte ihr diese Unabhängigkeit auch geben.

Natürlich ist es nicht immer einfach und nicht jeder hat die Wahl. Auch das Fläschchen hat seine Vorteile, zum Beispiel dass auch der Vater sein Baby füttern kann. Außerdem kann es hart sein, sich und seinen Alltag immer nach den Bedürfnissen des Kindes auszurichten. Zwar kann man versuchen, im festen Rhythmus zu stillen, aber das ist nicht immer möglich: Wenn Dein Kind Hunger hat, musst Du als Mutter eben zum Stillen verfügbar sein. Dadurch wird natürlich die eigene Flexibilität eingeschränkt. Dass ich nicht mehr nur tun kann, was ich will, sondern mich auch nach den Bedürfnissen meiner Tochter richten muss, war für mich gleichzeitig schwer und wunderschön.

Ich weiß aber, dass wir großes Glück hatten und sich viele Mütter nicht die Frage stellen, ob sie stillen wollen, sondern ob sie stillen können. Wenn es entspannt klappt, ist Stillen eine wunderschöne Erfahrung. Wenn es Dich aber nervös oder angespannt macht, spürt das auch Dein Kind. Zwinge Dich zu nichts und tu, was sich für Dich am besten anfühlt, denn das ist am Ende auch das Beste für Dein Kind.“

Alle drei Kinder (zwei Töchter und ein Sohn) von Andreas haben das Fläschchen bekommen

„Unsere Kinder haben alle die Flasche bekommen. Nach der Geburt hat meine Frau im Krankenhaus zwar jedes Mal versucht, sie anzulegen, das hat aber bei keinem der Kinder geklappt, sie wollten einfach nicht trinken. Es dann verkrampft weiter zu probieren macht auch keinen Sinn und gerade bei unserem dritten Kind waren wir dann ganz entspannt. Wir hatten ja bei den anderen beiden gesehen, dass die Kinder auch mit Flasche gesund groß werden. So haben wir jedes Mal schon im Krankenhaus angefangen, das Fläschchen zu geben.

Was eigentlich durch äußere Umstände kam, hat sich dann – zumindest für mich – sogar als die bessere Variante herausgestellt. Durch das Fläschchen hatte ich ganz andere Möglichkeiten, mich um meine Kinder zu kümmern. Beim Stillen steht man als Mann etwas hilflos daneben. Beim Fläschchen geben kann man sich als Papa nicht darauf ausruhen zu sagen „Ich kann ja sowieso nichts machen“, sondern muss sich ganz genauso kümmern wie die Mutter. So sollte es meiner Meinung nach als Vater im Endeffekt auch sein und genau das ist das Schöne am Papasein. Wir waren nicht darauf angewiesen, dass die Mama immer da ist, es reichte genauso aus, wenn der Papa da ist und sich kümmern kann. Ich habe bei meinen Kindern immer die Nachtdienste übernommen und sie gefüttert, wenn sie nachts Hunger hatten. Dass ich mich in jeder Hinsicht genau wie meine Frau um unsere Kinder kümmern kann, habe ich sehr genossen. Die Kinder haben von klein auf mitbekommen, dass es Essen und Zuneigung nicht nur von Mama gibt. Auch heute wissen sie, dass sie sich mit allen Bedürfnissen an uns beide wenden können.

Wir sind als Eltern vollkommen gleichberechtigt und das ist schon immer so gewesen.

Ein weiterer Vorteil war für mich, dass man das Fläschchen auch unterwegs überall geben kann. Zwar kann man theoretisch auch überall stillen, aber meist ist das gar nicht so einfach, zum Beispiel wenn es draußen sehr kalt ist. Mit dem Fläschchen war das erheblich leichter, wir hatten immer alles vorbereitet dabei: Eine Thermoskanne mit abgekochtem Wasser, die Babyflasche und einzelne Portionen Milchnahrung. Die Wickeltasche war sowieso immer dabei, da hat das Fläschchen keinen großen Unterschied gemacht. Wenn die Kleinen Hunger haben, muss es ja manchmal sehr schnell gehen und das Fläschchen ist dann teilweise schneller zubereitet als man einen Platz zum Stillen gefunden hat.

Ich persönlich sehe keine Nachteile vom Fläschchen gegenüber dem Stillen. Das Argument, dass Kinder durchs Stillen stärkeren Abwehrkräfte entwickeln ist natürlich valide, muss aber nicht heißen, dass Fläschchenkinder automatisch weniger gesund sind, wie man zum Glück an unseren Kindern sieht. Auch Nähe und Liebe haben sie ganz genauso bekommen, unabhängig davon, wo die Nahrung herkam. Ich könnte nichts benennen, was ihnen durch das Fläschchen gefehlt hätte.

Von außen haben wir überhaupt keine Reaktionen darauf bekommen, dass wir unseren Kindern das Fläschchen gegeben haben. Die Leute haben höchstens gestaunt, wie schnell wir die Flasche zubereitet haben. ;) Aber nach Meinungen von anderen sollte man sich sowieso nicht richten. Mein Tipp ist einfach das zu tun, was das Kind will. Wenn es sich stillen lässt, super! Wenn es aber nicht klappt, würde ich nicht lange darüber nachdenken und ihm die Flasche geben – Dein Kind wird Dir das nicht übelnehmen.“

Zeit, Du selbst zu sein

Danke an Alessandra und Andreas, dass sie ihre persönliche Geschichte mit uns geteilt haben! Die beiden Erfahrungsberichte unserer LILLYDOO Eltern beleuchten nur zwei der vielen Variationen, Dein Baby zu ernähren und zeigen, dass jede Option Vor- und Nachteile bietet. Egal welche Entscheidung Du selbst bei der Frage „Stillen oder Fläschchen?“ triffst oder treffen musst: Kritische Stimmen wird es immer geben. Die Hauptsache ist jedoch, dass Du Dein Kind gut versorgt weißt und Dich mit Deiner Entscheidung wohl fühlst. Wie auch immer diese aussehen mag, wir wünschen euch alles Gute auf dem Weg dorthin!

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