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Vielleicht ist Dir schon aufgefallen, dass Frauen in Filmen bei Geburten meist mit angewinkelten Beinen auf dem Rücken liegen. Doch wusstest Du, dass dies nur eine von vielen Positionen ist, in denen Du Dein Baby zur Welt bringen kannst? In diesem Artikel findest Du nicht nur einen Überblick der verschiedenen Positionen und ihren Vor- und Nachteilen, sondern erfährst auch, warum es nicht nur „die eine“ richtige Position gibt.

Generell unterscheidet man zwischen aufrechten und bodennahen Positionen. Theoretisch kann eine Geburt komplett in einer Position stattfinden, meist wechseln die Gebärenden jedoch je nach Befinden und Phase der Geburt.

Aufrechte Positionen

Viele Frauen fühlen sich zu Beginn der Geburt in aufrechten Positionen wohler und bewegen sich ganz instinktiv, sodass sie im Laufe der Zeit automatisch verschiedene Stellungen einnehmen.

Laufen

In der Eröffnungsphase, wenn sich der Muttermund Stück für Stück öffnet, laufen viele Gebärende zwischen den Wehen umher und kreisen ihr Becken, wodurch ihr Baby Stück für Stück nach unten rutscht. Während der Wehen kann es angenehm sein, innezuhalten und sich festzuhalten. „Bewegung unter der Geburt ist wichtig: Sie kann das subjektive Geburtserlebnis positiv beeinflussen, da sie der Frau das Gefühl gibt, in dieser Situation aktiv und selbstständig zu sein.“ sagt LILLYDOO Hebamme Sissi.

Vorteile:

  • Die Bewegung lenkt von den Schmerzen ab.

  • Das Baby sinkt tiefer ins Becken.

  • Die Öffnung des Muttermundes wird gefördert und der Geburtsverlauf so vorangetrieben.

  • Das Atmen fällt Dir leichter, sodass Dein Kind optimal mit Sauerstoff versorgt wird.

  • Die Wehen sind regelmäßiger und häufiger.

Nachteile:

  • Die Position kann auf Dauer anstrengend sein.

  • Einige Untersuchungen können nicht durchgeführt werden.

 

Illustration von stehender oder nach vorne gelehnter Geburtsposition

Stehend oder nach vorne gelehnt

Dabei stehst Du breitbeinig da und hältst Dich nach vorne gelehnt an der Wand, Deiner Partnerin/Deinem Partner, einem Gymnastikball oder an einer Sprossenwand fest. Wichtig ist, dass Deine Fersen in Bodenkontakt stehen, damit Du die notwendige Stabilität hast.

Vorteile:

  • Die Schwerkraft wird genutzt, um die Geburt voranzutreiben.

  • Die Öffnung des Muttermundes wird gefördert und der Geburtsverlauf so vorangetrieben.

  • Die Wehen sind regelmäßiger und häufiger.

  • Das Atmen fällt Dir leichter, sodass Dein Kind optimal mit Sauerstoff versorgt wird.

Nachteile:

  • Die Position kann auf Dauer anstrengend sein.

  • Einige Untersuchungen können nicht durchgeführt werden.

Illustration von stehender Geburtsposition, bei der sich die Gebärende an einem von der Decke hängenden Seil festhält

In den Seilen hängend

Bei dieser Position hältst Du Dich an einem doppelten, von der Decke hängenden Tuch fest, das es in vielen Kreissälen oder Geburtshäusern gibt. Lass Dich dabei ruhig richtig „hängen“, damit das Gewicht von Deinen Beinen genommen wird.

Vorteile:

  • Dein Körper wird vom Gewicht entlastet.

  • Die Schwerkraft wird genutzt, um die Geburt voranzutreiben.

  • Die Öffnung des Muttermundes wird gefördert und der Geburtsverlauf so vorangetrieben.

  • Das Atmen fällt Dir leichter, sodass Dein Kind optimal mit Sauerstoff versorgt wird.

  • Die Wehen sind regelmäßiger und häufiger.

Nachteile:

  • Die Position kann auf Dauer anstrengend sein.

  • Einige Untersuchungen können nicht durchgeführt werden.

Bodennahe Geburtspositionen

In bodennahen Positionen fällt es vielen Frauen leichter, aktiv mitzupressen und ihr Baby durch den Geburtskanal zu schieben. Viele Gebärende haben daher bei vorangeschrittener Geburt automatisch das Bedürfnis, eine der folgenden Positionen einzunehmen:

Illustration: Geburtsposition Rückenlage (Steinschnittlage)

Rückenlage (Steinschnittlage)

In Rücken- oder Steinschnittlage liegst Du leicht erhöht, Deine Beine sind auf dem Bett aufgestellt, Du hältst sie angewinkelt gegen Deine Partnerin/Deinen Partner oder Deine Hebamme gedrückt oder sie liegen in einer speziellen Halterung. Bei der Rückenlage handelt es sich um die häufigste Geburtsposition. Nicht immer, weil die Gebärende sie selbst wählt, sondern häufig ist sie schlicht für Ärztinnen/Ärzte und Hebammen am günstigsten, weil sie so gut an alles herankommen. In bestimmten Situationen ist es notwendig, dass die Geburt in Rückenlage stattfindet, beispielsweise wenn die Saugglocke zur Hilfe genommen werden muss.

Vorteile:

  • Die medizinische Versorgung ist so am einfachsten.

  • Die Position ist kraftsparend und Du kannst Dich in den Wehenpausen ausruhen.

Nachteile:

  • Das Risiko für Geburtsverletzungen steigt.

  • Es kann zum Vena-Cava-Syndrom kommen. Dabei liegt das Baby auf der Hohlvene der Mutter, was den Rückfluss des Blutes behindert. Das beeinflusst auch die Blutversorgung des Kindes negativ.

  • Einige Frauen empfinden es als unangenehm, sich nicht frei bewegen zu können.

  • Das Becken verkleinert sich im Liegen, der Muttermund öffnet sich langsamer.

Illustration Geburtsposition Vierfüßlerstand

Vierfüßlerstand

Dabei kniest Du auf dem Boden oder einem Bett. Dein Oberkörper ist nach vorne gebeugt und Du stützt Dich auf dem Boden, einem Kissen oder einem Gymnastikball ab. Viele Frauen wählen diese Position bei fortschreitender Geburt automatisch, da sie sie als sehr angenehm empfinden.

Vorteile:

  • Dein Damm wird geschont.

  • Die Position gibt Dir Bewegungsfreiheit und Kontrolle.

  • Du kannst Dich in den Wehenpausen ausruhen.

  • Die Position entlastet bei Rückenschmerzen. Zusätzlich kann Dir Deine Partnerin/Dein Partner den Rücken massieren.

  • Wenn Dein Kind geboren ist, kannst Du es direkt selbst zu Dir nehmen.

Nachteile:

  • Die Haltung ist ungewohnt und auf Dauer anstrengend.

Illustration Hockende Geburtsposition

Hocke (mit oder ohne Geburtshocker)

In dieser Position hockst Du entweder auf den Fersen oder auf einem speziellen Geburtshocker mit Aussparung. Da die Hocke anstrengend ist, begeben sich viele Frauen erst zum Ende der Geburt in diese Position. In den letzten Wehen kann sie allerdings sehr erleichternd sein, da die Gebärende instinktiv mit nach unten schiebt.

Vorteile:

  • Das Becken vergrößert sich und die Schwerkraft wird optimal genutzt. Das Baby kann so tief ins Becken eintreten.

  • Du kannst aktiv und gezielt mitpressen.

  • Das Atmen fällt Dir leichter, sodass Dein Kind optimal mit Sauerstoff versorgt wird.

Nachteile:

  • Die Position ist sehr kraftraubend.

  • Zu lange Zeit in der Hocke beansprucht das Gewebe stark und das Risiko für Geburtsverletzungen steigt.

Illustration Geburtsposition: Gebären in Seitenlage

Seitenlage

Du liegst mit leicht hochgelagertem Oberkörper entweder auf der linken oder rechten Seite, je nach Fortschritt der Geburt ist Dein oberes Bein an der Hüfte aufgestellt. Wenn Du magst, kannst Du auch ein Kissen zwischen die Knie nehmen. Die Seitenlage ist gut geeignet, um Dich zwischen den Wehen auszuruhen. Wenn Du nicht mehr stehen kannst, kannst Du in der Endphase der Geburt auch in dieser Position gut Deinen Rücken rundmachen und aktiv mitpressen.

Vorteile:

  • Die Position ist bequem und optimal zum Veratmen der Wehen.

  • Wenn Dein Baby noch nicht richtig liegt, wird es so animiert, sich zu drehen.

  • Die Hohlvene wird entlastet.

  • Du kannst Dich in den Wehenpausen ausruhen.

  • Das Becken öffnet sich, besonders wenn das obere Bein hochgelagert ist.

Nachteile:

  • Das Becken ist im Liegen enger und die Wehen weniger effektiv. Die Geburt kann deshalb länger dauern.

Illustration Sitzende Geburtsposition

Sitzend

Du sitzt rücklings breitbeinig auf einem Stuhl, an dessen Rückenlehne Du Dich festhalten kannst. Alternativ kannst Du auch auf einem Gymnastikball oder einem Gebärhocker sitzen und Dich an Deiner Partnerin/Deinem Partner oder einer Sprossenwand festhalten.

Vorteile:

  • Die Position bietet Dir Bewegungsfreiheit und Stabilität zugleich.

  • Dein Becken weitet sich.

  • Die Wehen sind effektiver.

  • Das Atmen fällt Dir leichter, sodass Dein Kind optimal mit Sauerstoff versorgt wird.

  • Du kannst Dich in den Wehenpausen ausruhen.

Nachteile:

  • Der erhöhte Druck beim Sitzen kann zu stärkeren Schmerzen führen.

Geburt im Wasserbecken

Die Geburt in der Gebärwanne findet in einem speziellen Becken mit 34 bis 36 Grad Celsius warmem Wasser statt. Wegen der entspannenden Wirkung des warmen Wassers wird die Wanne oft in der Eröffnungsphase genutzt, es spricht aber auch nichts dagegen, dass die gesamte Geburt im Wasserbecken stattfindet. In der Wanne kannst Du Dich nach Belieben in den Vierfüßlerstand oder in Rückenlage begeben, das Wasser gibt Dir zusätzliche Bewegungsfreiheit.

Vorteile:

  • Das warme Wasser kann zur Entspannung, Beruhigung und Schmerzlinderung beitragen.

  • Wärme und Feuchtigkeit machen das Gewebe weich und dehnbar.

Nachteile:

  • Die Wärme kann zu Kreislaufproblemen führen.

  • Eine PDA ist in der Wanne nicht möglich.

  • Die Geburt im Wasser kommt nicht immer in Frage, da kein schnelles medizinisches Eingreifen möglich ist.

Welche Geburtsposition ist die richtige für mich?

Auf die Frage, welche Geburtsposition die beste ist, gibt es keine pauschale Antwort. Was als angenehm empfunden wird, ist nicht nur von Frau zu Frau, sondern auch von Geburt zu Geburt anders. Die verschiedenen Geburtspositionen sind auch Thema im Geburtsvorbereitungskurs. Dort werden die einzelnen Positionen erklärt und geübt. Auch unsere LILLYDOO Hebamme Sissi erklärt im Video die verschiedenen Stellungen und ihre jeweiligen Vor- und Nachteile.

Im Verlauf der Geburt wirst Du Deine Position vermutlich mehrfach ändern, je nach Deinen Bedürfnissen und der Phase, in der Du Dich gerade befindest. Wenn die Geburt ohne Komplikationen verläuft, kannst Du Deine Position selbst wählen und wirst Dich wahrscheinlich ganz intuitiv in die Stellung begeben, die Dir guttut. Es kann auch sein, dass Deine Hebamme mit ihrer Erfahrung ein wenig nachhilft und mit Dir gemeinsam eine Position findet, die die Geburt vorantreibt.

Probiere die verschiedenen Stellungen am besten schon aus, bevor es ernst wird. Finde heraus, wobei Du Dich wohlfühlst und besprich Dich mit Deiner Partnerin/Deinem Partner dazu. Unter Umständen hast Du unter der Geburt keine Kraft mehr zu kommunizieren, dass Du in einer bestimmten Position gebären möchtest. Dann kann ein Hinweis Deiner Partnerin/Deines Partners, die/der Deine Wünsche kennt, helfen. Wenn Du die Möglichkeit hast, kannst Du Deine Hebamme und Deine Ärztin/Deinen Arzt natürlich auch schon vor der Geburt über Deine Wunschposition informieren. Wenn es soweit ist, schadet es dennoch nicht, flexibel und offen zu bleiben: Es kann durchaus sein, dass Du Dich in einer Position, die Dir beim Üben angenehm erschien, während der Geburt plötzlich nicht mehr wohlfühlst.

Dich vorher mit den verschiedenen Positionen zu beschäftigen und sie auszuprobieren, kann Dir Sicherheit und Zuversicht für die bevorstehende Geburt geben. Wenn es soweit ist, zählt trotzdem vor allem Dein Bauchgefühl, denn jede Geburt ist anders und lässt sich nie ganz vorhersagen. Vertraue Deinem Körper, der Dir intuitiv sagen wird, welche Position die Richtige für die Geburt Deines Kindes ist. Wir wünschen Dir alles Gute!

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