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Wie machen wir das finanziell? Diese Frage stellen sich wohl alle werdenden Eltern früher oder später. Unterstützung nach der Geburt bietet Dir unter anderem das Elterngeld. Es gleicht zumindest teilweise den Lohnausfall aus, der Dir durch die Betreuung Deines Babys entsteht. Doch wer hat Anspruch auf Elterngeld? Was hat es mit ElterngeldPlus auf sich? Und wie funktioniert der Antrag? Auch wenn die Auseinandersetzung mit diesen Fragen mit Sicherheit nicht der spannendste Aspekt des Elternwerdens ist, lohnt es, sich frühzeitig mit ihnen zu beschäftigen. Wir haben die wichtigsten Informationen für Dich zusammengefasst.

Was ist Elterngeld?

Das Elterngeld ist eine Leistung des deutschen Staates. Es soll Eltern im ersten Lebensjahr ihres Babys (und gegebenenfalls darüber hinaus) finanziell unterstützen und den durch die Kinderbetreuung entstandenen Einkommensausfall abfangen. Die Höhe des Elterngeldes berechnet sich abhängig von Deinem Netto-Einkommen vor der Geburt: Es beträgt zwischen 65 und 100 Prozent Deines vorherigen Einkommens. Mindestens stehen Dir jedoch 300 Euro und maximal 1.800 Euro im Monat zu und das für ein Jahr. Wenn Du und Deine Partnerin/Dein Partner euch beide an der Betreuung des Babys beteiligt und dafür eure Arbeit zeitweise unterbrecht, verlängert sich dieser Zeitraum auf 14 Monate. Diese 14 Elterngeldmonate könnt ihr beliebig zwischen euch aufteilen. Du und Deine Partnerin/Dein Partner könnt auch gleichzeitig Elterngeld beziehen, es bleibt aber trotzdem bei insgesamt 14 Monaten für euch beide. Auch Alleinerziehende haben Anspruch auf 14 Monate Elterngeld.

Was ist ElterngeldPlus?

Wenn Du nach der Geburt frühzeitig wieder in Deinen Job zurückkehren möchtest, kannst Du ElterngeldPlus beziehen. Es ermöglicht, Elternzeit und Teilzeitarbeit flexibel miteinander zu kombinieren. Du kannst einen Elterngeldmonat auf zwei aufteilen und dabei bis zu 32 Wochenstunden arbeiten. Du bekommst das ElterngeldPlus also doppelt so lange, dafür aber nur in halber Höhe. Das bedeutet, dass ein Elterngeld-Monat zwei ElterngeldPlus-Monaten entspricht.

Wenn beide Eltern sich an der Betreuung des Kindes beteiligen und in Teilzeit arbeiten, gibt es einen Partnerschaftsbonus: Vier weitere ElterngeldPlus-Monate sind so möglich. Die Voraussetzung: Beide Eltern arbeiten jeweils zwischen 24 und 32 Wochenstunden. Auf diese Weise kannst Du den Bezugszeitraum auf bis zu 28 Monate strecken. Der Partnerschaftsbonus steht Alleinerziehenden gleichermaßen zu.

Elterngeld und ElterngeldPlus können beliebig miteinander kombiniert werden. Das ist vor allem dann interessant, wenn ein Elternteil in den ersten Monaten ganz zu Hause bleibt und dann wieder in Teilzeit arbeitet. Lass Dich gemeinsam mit Deiner Partnerin/Deinem Partner beraten, welche Kombination für eure Situation optimal ist. Hilfreich ist zum Beispiel der Elterngeldrechner des Familienportals des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Hier kannst Du die Höhe des Elterngeldes in verschiedenen Kombinationen berechnen und erhältst einen ungefähren Richtwert.

Wer hat Anspruch auf Elterngeld?

Alle Väter und Mütter, die ihr Kind nach der Geburt selbst betreuen, können Elterngeld beantragen. Dabei ist es egal, ob Du angestellt oder selbstständig bist. Auch Hausfrauen und -männer, Studierende und Auszubildende sowie Arbeitslosengeld-I-Empfängerinnen/-Empfänger haben ein Anrecht auf den Mindestbetrag. Spitzenverdienerinnen/-verdiener (das heißt bei Alleinerziehenden mehr als 250.000 Euro zu versteuerndes Einkommen, bei Elternpaaren gemeinsam mehr als 300.000 Euro zu versteuerndes Einkommen) bekommen kein Elterngeld.

Pflege-, Stief- und Adoptiveltern können ebenfalls Elterngeld beantragen. Unter bestimmten Umständen kann das Elterngeld auch an Verwandte dritten Grades gezahlt werden, zum Beispiel an Großeltern. Das ist vor allem dann möglich, wenn die Eltern sich aus gesundheitlichen oder anderen schwerwiegenden Gründen nicht selbst um ihr Kind kümmern können.

Kommt Dein Baby als Frühchen, also sechs Wochen vor Geburtstermin oder früher zur Welt, erhältst Du oder Deine Partnerin/Dein Partner zusätzliche Monate Elterngeld, um in dieser herausfordernden Situation mehr Zeit für euer Kind zu haben. Abhängig vom Geburtstermin stehen euch bis zu vier zusätzliche Monate Basiselterngeld zu, die sich auch in ElterngeldPlus Monate umwandeln lassen. Mehr Informationen findest Du hier.

Wie beantrage ich Elterngeld?

Zuständig für Deinen Antrag auf Elterngeld ist die jeweilige Elterngeldstelle. Je nach Bundesland kann sie beim Jugendamt, beim Amt für Soziales oder beim Versorgungsamt angesiedelt sein. Welche Stelle für Dich zuständig ist, kannst Du auf dem Familienportal der Bundesregierung nachschauen. In der Elterngeldstelle kannst Du Dich auch umfassend darüber beraten lassen, welche Lösung für Dich und Deine Partnerin/Deinen Partner am vorteilhaftesten ist.

Die Antragsformulare unterscheiden sich von Bundesland zu Bundesland. Erkundige Dich deshalb rechtzeitig nach den benötigten Unterlagen. In der Regel kannst Du Deinen Antrag auf Elterngeld bereits vor der Geburt stellen. Weitere wichtige Unterlagen, zum Beispiel die Geburtsurkunde Deines Babys, kannst Du später nachreichen. Da das Elterngeld höchstens drei Monate rückwirkend bezahlt wird, lässt Du Dir am besten nach der Geburt nicht allzu viel Zeit damit.

Tipps

  • Die staatlichen Unterstützungen bieten Dir flexible Möglichkeiten. Um die für Dich vorteilhafteste Variante zu ermitteln, frage Dich, wie lange Du aus dem Beruf aussteigen möchtest und wie Du und Deine Partnerin/Dein Partner euch die Betreuung aufteilen wollt.

  • Lass Dich am besten schon frühzeitig vor dem Geburtstermin beraten. Wäge die unterschiedlichen Möglichkeiten in aller Ruhe gegeneinander ab.

  • Kümmere Dich im Vorfeld um die notwendigen Unterlagen. Wenn Dein Baby geboren ist, hast Du sicher keine Lust auf unnötige Behördengänge.

  • Verheiratete Partner können zwischen mehreren Steuerklassen wählen. Wenn Du und die Mutter/der Vater Deines Babys also verheiratet seid, lohnt es sich, rechtzeitig die Steuerklasse zu wechseln: Der Elternteil, der das Kind später in erster Linie betreuen wird, sollte mindestens sieben Monate vor Beginn des Mutterschutzes in Steuerklasse III sein. Die Steuerklasse hat Einfluss auf das Nettoeinkommen und ein höheres Nettoeinkommen wirkt sich positiv auf die Höhe des Elterngeldes aus. Ein Wechsel kann beim Elterngeld unter Umständen mehrere hundert Euro im Monat ausmachen.

Elterngeld, ElterngeldPlus oder beides in Kombination? Finde flexibel die für Dich optimale Lösung, damit Du Dich später ganz unbesorgt Deinem kleinen Entdecker widmen kannst. Wenn Du mehr über Deine Rechte während Deiner Schwangerschaft wissen möchtest, klick doch mal in unseren Magazinartikel zum Thema „Mutterschutz“ rein!

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