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Sobald Du ein Baby bekommst, kommen in Deinem Leben ganz neue Fragen auf und plötzlich beschäftigen Dich Themen, an die Du vorher niemals gedacht hättest. Das ist eine tolle, spannende Zeit, aber wir verstehen auch, wenn Dir irgendwann der Kopf brummt!

Wir bei LILLYDOO glauben, dass Du sicher die richtigen Entscheidungen für Dich und Deinen kleinen Entdecker treffen wirst. Aber auch, dass es nicht schaden kann, Dir hin und wieder Rat von Menschen zu holen, die sich täglich mit diesen Fragen beschäftigen und Fachleute auf ihrem Gebiet sind. Deshalb möchten wir in dieser Artikelreihe Expertinnen und Experten die Fragen rund um Schwangerschaft, Geburt und Elternsein stellen, die uns allen durch den Kopf gehen.

Laura Malina Seiler ist Podcasterin, Autorin sowie spirituelle Lehrerin und lebt Achtsamkeit – für sich selbst, ihre Familie und für die Menschen, die ihr folgen und in Podcasts, Onlinekursen und Büchern von ihr lernen. Für LILLYDOO hat sie ihre besten Tipps für mehr Achtsamkeit im Familienalltag verraten.

Was ist eigentlich Achtsamkeit?

Liebe Laura, was bedeutet Achtsamkeit für Dich?

Achtsamkeit bedeutet für mich, bewusst im gegenwärtigen Moment zu sein und mich nicht mit meinen Gedanken zu identifizieren. Wenn ich achtsam bin, dann bin ich vollkommen präsent im Hier und Jetzt und nicht mit meinem Kopf ganz woanders. Es bedeutet auch, sich bewusst über die eigenen Gefühle zu sein und sich selbst im positiven Sinne regulieren zu können. Wenn wir wirklich achtsam sind, sind wir auf eine sehr angenehme Art und Weise entspannt, weil wir uns um das kümmern, was jetzt gerade ist und nicht um das, was vielleicht morgen kommt oder gestern war.

Kann man Achtsamkeit lernen?

Auf jeden Fall und zum Glück! Achtsamkeit kann ganz bewusst trainiert und gelernt werden, zum Beispiel mit einer regelmäßigen Meditationspraxis.

Achtsamkeit für Kinder und Familien

Warum ist Achtsamkeit schon für Kleinkinder wichtig?

Für Kinder ist es vor allen Dingen wichtig, dass die Eltern lernen, achtsam und mit ihnen präsent zu sein. Das ist meiner Meinung nach eine der wichtigsten Qualitäten, die wir als Eltern haben können. Kinder schauen sich alles von uns ab und wenn sie sehen, dass wir achtsam mit uns selbst und mit unseren Bedürfnissen sind, aber auch mit unserer Umwelt und unseren Mitmenschen, dann werden sie es ebenso sein.

Gibt es feste Regeln für Achtsamkeit in der Familie oder ein „Gerüst“, an dem man sich entlanghangeln kann?

Ja, definitiv, auch wenn ich denke, dass jede Familie am besten für sich schaut, wie sie Achtsamkeit konkret leben möchte. Wir haben als Familie zum Beispiel die Regeln, wirklich zuzuhören, wenn jemand spricht, nicht zu unterbrechen und keine Handys beim Essen in der Hand zu haben. Außerdem machen wir abends als Familie immer eine kleine Dankbarkeitsrunde zusammen, in der jede/jeder sagt, wofür sie/er am meisten dankbar ist.

Was können wir Erwachsenen uns in Sachen Achtsamkeit von unseren Kindern abschauen?

So viel! Kinder sind von Natur aus achtsam, weil sie ohnehin immer im Moment sind. Wir können von ihnen lernen, negative Emotionen schnell wieder loszulassen und nicht lange daran festzuhalten. Wir können von ihnen lernen, ganz bewusst zu spielen und uns nicht ablenken zu lassen. Wir können von ihnen lernen, uns wieder über einfache Dinge zu freuen und Spaß am Leben zu haben und durch Pfützen zu springen, wenn es regnet. Kinder sind unsere größten Lehrer, die uns an alles erinnern, was in Wahrheit relevant ist.

Kinder sind unsere größten Lehrer, die uns an alles erinnern, was in Wahrheit relevant ist.

Hast Du kleine Tipps oder konkrete Übungen für mehr Achtsamkeit, die Familien im Alltag einbauen können?

Ja, zum Beispiel eine Dankbarkeitsroutine mit den Kindern zu etablieren, ist wunderschön: sich einfach abends vor dem Schlafengehen einen Moment zu nehmen und alles durchzugehen, was heute schön gewesen ist.

Wie können Eltern sich im Familienalltag Raum schaffen, um zum Beispiel zu meditieren oder Yoga zu machen?

Am besten mit den Kindern zusammen. Ich mache mit meinem Sohn abends immer 10 Minuten Yoga und im Anschluss kuschelt er sich in meinen Schoß, während ich meditiere. Kinder lieben es, mit uns zusammen etwas auszuprobieren. Wir haben ein Buch mit Yogaübungen für Kinder. Mein Sohn sucht sich dann immer die aus, die er machen möchte. Wenn man die Yogapraxis als Ausgleich lieber für sich allein machen möchte, gibt es mit kleinen Kindern ansonsten meistens nur die Möglichkeit, das zu tun, wenn sie schlafen.

Meditation mit Kindern

Ist Meditation etwas, das man bereits im Kindesalter „lernen“ beziehungsweise mit Kindern praktizieren kann?

Ja, unbedingt. Es gibt so schöne Kindermeditationen und ich denke, dass es in der Zukunft eine der wichtigsten Fähigkeiten für unsere Kinder sein wird, ihre innere Ruhe zu finden und durch Meditation sich selbst besser kennenzulernen.

Viele Eltern fühlen sich gelegentlich überfordert, als würde ihnen alles über den Kopf wachsen. Hast Du zum Schluss konkrete Tipps, um in solchen Situationen wieder zur inneren Ruhe zu finden?

In akuten Momenten der Überforderung am besten erstmal über den Atem beginnen und sich selbst in den gegenwärtigen Moment zurückbringen. Tief ein- und ausatmen und die Füße auf dem Boden spüren. Danach hilft, sich selbst gute und ressourcenorientierte (das heißt auf das schon Vorhandene fokussierte) Fragen zu stellen, wie zum Beispiel „Was brauche ich gerade?“, „Wer kann mich gerade unterstützen?“ oder „Welche meiner Fähigkeiten hilft mir jetzt weiter?“

Darüber hinaus empfehle ich morgens mit einer kurzen Meditation zu beginnen, um sich selbst überhaupt erstmal aufzuladen und zu spüren. Es macht für mich einen riesigen Unterschied im Alltag, ob es ein Tag ist, an dem ich morgens meditiert habe, oder nicht.

Vielen Dank liebe Laura, für diese hilfreichen Tipps zur Achtsamkeit im Familienalltag! Wir bei LILLYDOO wissen, dass es im Familienalltag oft hoch her geht und deshalb nicht alles so ganz in Ruhe umzusetzen ist. Das ist auch völlig okay. Aber kleine Momente der Ruhe helfen schon so viel und wir hoffen, dass Lauras Tipps Dich dazu inspirieren konnten, Dir und Deiner Familie diese Momente öfters einmal zu schaffen. Wir wünschen Dir viel Freude dabei!

Titelportrait fotografiert von Farina Deutschmann

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