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Je näher der errechnete Geburtstermin rückt, desto mehr Gedanken machst Du Dir sicherlich darüber, wie die Geburt ablaufen wird und was Du Dir dafür wünschst. Bei einem besonderen und intimen Ereignis wie der Geburt eines Kindes spielt auch das Umfeld und ob Du Dich darin wohlfühlst, eine wichtige Rolle. Um den Wünschen und Bedürfnissen von werdenden Mamas entgegenzukommen, gibt es die Möglichkeit, zwischen verschiedenen Geburtsorten zu wählen. In diesem Artikel erfährst Du, welche Geburtsorte es gibt und welche Vor- und Nachteile sie bieten.

Welche Geburtsorte gibt es?

1. Geburt in der Klinik

Der Großteil aller Babys in Deutschland kommt im Krankenhaus oder der Geburtsklinik entweder stationär oder ambulant auf die Welt. Unter bestimmten Umständen ist die Geburt in einer Klinik sogar unumgänglich: Bei chronischen Krankheiten der Mutter, wie zum Beispiel Diabetes, Bluthochdruck, Herz- oder Nierenerkrankungen, bei Quer- oder Beckenendlage des Babys, Lage der Plazenta vor dem Muttermund, vorzeitigen Wehen, einer Mehrlings- oder Frühgeburt ist die Klinik als Geburtsort in jedem Fall die sicherere Wahl. Ist eine vaginale Geburt aus medizinischen Gründen nicht möglich oder wäre für Dich und/oder Dein Baby sehr riskant, wird ein Termin für einen geplanten Kaiserschnitt vereinbart.

Verschiedene Krankenhäuser (beziehungsweise Geburtskliniken) unterscheiden sich oft stark voneinander, was Größe, Ausstattung und Betreuung angeht. So gibt es etwa große Zentren mit dem Level 1, was bedeutet, dass diese Krankenhäuser über eine Neugeborenenintensivstation (Neonatologie) verfügen. Hier können besonders Kinder, die bei einer Frühgeburt oder mit gewissen Risiken auf die Welt kommen, gut versorgt werden. Andere Kliniken, die nicht über solche medizinischen Versorgungsmöglichkeiten verfügen, nehmen in der Regel nur Frauen mit einer unkomplizierten Schwangerschaft und Geburten ab der 37. Schwangerschaftswoche auf.

Was die Ausstattung betrifft, stehen in den meisten Häusern Geburtswannen, Gebärstühle, Sitzbälle oder Seile zum Festhalten zur Verfügung. Einige Krankenhäuser bieten neben herkömmlichen Mitteln zur Schmerzlinderung auch Akupunktur, Akupressur oder homöopathische Mittel an. In fast allen Kliniken wird mittlerweile Rooming-in angeboten. Das heißt, dass Du und Dein Baby die erste 24 Stunden nach der Geburt nicht getrennt werden, wie es lange Zeit üblich war. So könnt ihr euch in den ersten gemeinsamen Stunden nach der aufregenden Geburt ganz in Ruhe kennenlernen.

Neben Krankenhäusern, in denen Geburten vom dortigen Personal betreut werden, gibt es auch andere Modelle. Einige Kliniken verfügen etwa über einen Hebammenkreißsaal. Dieser steht für natürliche Geburten zur Verfügung und wird allein von Hebammen geleitet. Dennoch steht im Notfall medizinische Betreuung bereit, was viele werdende Mamas beruhigt. Sogenannte Belegkrankenhäuser arbeiten mit freiberuflichen Hebammen (und manchmal auch mit Ärztinnen und Ärzten) zusammen. Das Krankenhaus stellt für die Geburt den Kreißsaal, die Ausstattung und im Bedarfsfall weiteres Personal zur Verfügung. Der Vorteil der Geburt mit einer Beleghebamme ist, dass Du sichergehen kannst, dass die Hebamme, die Dich bei der Geburtsvorbereitung unterstützt hat, auch während der Geburt Deines Babys dabei sein wird und währenddessen kein Personalwechsel stattfindet. Falls Du Dich für die Geburt mit einer Beleghebamme interessierst, empfiehlt es sich, frühzeitig mit der Suche zu beginnen, da sie oft sehr gefragt sind. In der Regel verlangen Beleghebammen einen Pauschalbetrag dafür, dass sie rund um den errechneten Geburtstermin auf Abruf zur Verfügung stehen. Für diesen Betrag musst Du privat aufkommen.

Egal welches Krankenhaus oder welche Klinik Du für die Geburt auswählst: Es wird empfohlen, sich dort spätestens zwischen der 33. und der 36. Schwangerschaftswoche zur Geburt anzumelden. Das gleiche gilt, wenn Du mit Zwillingen schwanger bist und eine natürliche Geburt planst. Die Kosten für eine Krankenhausgeburt werden von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen.

Vorteile

  • Großes Sicherheitsgefühl durch die medizinisch-technische Versorgung

  • Mittel zur Schmerzlinderung (zum Beispiel eine PDA) stehen zur Verfügung

  • Deine Partnerin/Dein Partner oder eine andere Begleitperson kann bei der Geburt dabei sein

  • Eingespieltes Geburtsteam vermittelt Sicherheit

  • Wenn notwendig ist die Betreuung im Krankenhaus auch einige Tage nach der Geburt möglich

Nachteile

  • Routinierte Geburtsabläufe können Freiräume und Wünsche der Mutter einschränken

  • Möglicher Personalwechsel während der Geburt

  • Weniger intensive Betreuung, da Hebammen oft mehrere Geburten parallel betreuen

  • Eine Ärztin/ein Arzt ist meist nur während der letzten Phase der Geburt oder im Fall von Komplikationen anwesend

2. Geburtshaus

Ein Geburtshaus ist eine selbstständige Einrichtung, die in der Regel von mehreren Hebammen, teilweise auch in Kooperation mit einer Ärztin/einem Arzt, betrieben wird. Geburtshäuser bieten neben Geburtsvorbereitungskursen, Schwangerschaftsvorsorge und vielen anderen Angeboten die Möglichkeit, Dein Kind dort ambulant und selbstbestimmt auf die Welt zu bringen. Die medizinische Ausstattung im Geburtshaus ist nicht mit der im Krankenhaus zu vergleichen, weshalb die Entbindung im Geburtshaus nur für Frauen in Frage kommt, deren Schwangerschaft komplikationslos verläuft. Solange dies der Fall ist, verlaufen Geburten im Geburtshaus statistisch gesehen jedoch sehr sicher und mit wesentlich weniger medizinischen Eingriffen als im Krankenhaus.

Wie auch bei der Geburt mit einer Beleghebamme wird die Rufbereitschaft der betreuenden Hebamme mit einer Pauschale in der Regel privat vergütet. Die Hebammenleistung selbst und die Betriebskosten, die bei einer Geburt im Geburtshaus entstehen, werden hingegen meist von den gesetzlichen Krankenkassen abgedeckt. Auch wenn die Geburt selbst ambulant stattfindet, hast Du Anspruch auf Hausbesuche Deiner Hebamme während des Wochenbetts. Am besten erkundigst Du Dich direkt bei Deiner Krankenkasse, welche Leistungen im Zusammenhang mit der Entbindung im Geburtshaus übernommen werden.

Vorteile

  • Selbstbestimmte, natürliche Geburt ohne großen medizinisch-technischen Aufwand

  • Wünsche für den Geburtsablauf können schon vorher mit der Hebamme besprochen werden

  • Möglichkeit, die Hebamme schon bei der Geburtsvorbereitung oder Vorsorge kennenzulernen

  • Kein Hebammenwechsel während der Geburt

  • Wohlfühlatmosphäre kann zu einem positiven Geburtsablauf beitragen

  • Alternative Mittel zur Schmerzlinderung wie Akupunktur, Massage und Homöopathie stehen zur Verfügung

Nachteile

  • Geringere medizinische Versorgungsmöglichkeiten als im Krankenhaus

  • Bei Bedarf ist die Verlegung ins Krankenhaus notwendig

3. Hausgeburt

Auch wenn Hausgeburten in Deutschland nach wie vor zur Ausnahme zählen, steigt die Zahl der Familien, die sich für eine Entbindung in den eigenen vier Wänden entscheiden, an. Für viele Frauen trägt die intime heimische Atmosphäre und der Wunsch nach einer natürlichen Geburt möglichst ohne Eingriffe zur Entscheidung für die Hausgeburt bei. Auch hier gilt allerdings: Eine Hausgeburt ist nur bei einer komplikationslosen Schwangerschaft möglich. Ob diese Art der Entbindung für Dich in Frage kommt, solltest Du mit Deiner Ärztin/Deinem Arzt oder Deiner Hebamme bei der Vorsorgeuntersuchung besprechen. Wie eine spontane Hausgeburt ablaufen kann, erzählt Papa Marius in unserem Artikel „Vater werden: Die ungeplante Hausgeburt“. Auch unsere LILLYDOO Hebamme Sissi ist eine große Befürworterin von Hausgeburten und hat ihre drei Kinder alle in der heimischen Wohnung auf die Welt gebracht. Von der Geburt ihrer jüngsten Tochter berichtet sie im Artikel „Sissi mit Babybauch: Geburt und Wochenbett“.

Zur Vorbereitung auf eine Hausgeburt gehört besonders die Suche nach einer Hebamme, die bereit ist, Dich auch zuhause zu betreuen. Falls Du Dich für eine Hausgeburt interessierst, solltest Du mit der Suche frühzeitig beginnen: Nicht jede Hebamme bietet diesen Service an. Es empfiehlt sich außerdem, zur Sicherheit trotzdem eine Klinik für den Notfall auszuwählen und Dich dort anzumelden. Auch wenn Hausgeburten bei einer komplikationslosen Schwangerschaft statistisch gesehen sehr sicher sind, kann bei Komplikationen die Verlegung dorthin notwendig sein.

Die Kosten für eine Hausgeburt werden in der Regel von der gesetzlichen Krankenkasse übernommen, die Pauschale für die Rufbereitschaft muss wie bei der Geburt im Belegkrankenhaus privat gezahlt werden.

Vorteile

  • Möglichkeit der selbstbestimmten, natürlichen Geburt

  • Wünsche für den Geburtsablauf können schon vorher mit der Hebamme besprochen werden

  • Kein Hebammenwechsel während der Geburt

  • Die Geburt in vertrauter Umgebung kann zu einem positiven Geburtsablauf beitragen

Nachteile

  • Utensilien wie ein Geburtshocker oder -pool müssen im Voraus organisiert werden

  • Keine schmerzlindernden Maßnahmen wie PDA möglich

  • Bei Bedarf ist die Verlegung ins Krankenhaus notwendig

Welcher Geburtsort ist der richtige für mich?

Eine Geburt ist ein intimes Erlebnis. Solange keine medizinischen Gründe oder anderen Umstände dagegensprechen, kannst Du die Wahl des Geburtsortes deshalb (gemeinsam mit Deiner Partnerin/Deinem Partner) ganz nach Deinen persönlichen Wünschen und Bedürfnissen treffen. Die Aspekte, die bei der Entscheidung eine Rolle spielen, sind dabei ganz individuell. So können zum Beispiel Dein eigenes Sicherheitsbedürfnis, die Atmosphäre des Geburtsortes, besondere Wünsche für den Geburtsablauf oder die medizinischen Möglichkeiten, aber auch die Unterstützung in den ersten Stunden und Tagen nach der Geburt und nicht zuletzt die Nähe zum Wohnort die Wahl des Geburtsortes beeinflussen. Viele Kliniken und Geburtshäuser bieten ein- bis zweimal pro Monat Informationsabende an, bei denen werdende Eltern sich ein Bild vom Angebot des jeweiligen Hauses machen, die Atmosphäre testen und Fragen stellen können.

Wir haben Dir eine Checkliste mit Fragen zum Krankenhaus, Geburtshaus und zur Hausgeburt zusammengestellt. Wenn Du Dir noch unsicher bist, wo Du Dein Baby zur Welt bringen möchtest, können sie Dir als Anregung bei der Entscheidungsfindung dienen. Vielleicht hast Du aber auch eigene, ganz andere Fragen, die Du beim Besuch im Kranken- beziehungsweise Geburtshaus stellen oder mit Deiner Hebamme besprechen möchtest. Dann kannst Du diese ganz einfach auf der Liste ergänzen.

Letztendlich ist die Wahl des Geburtsortes eine Bauchentscheidung. Vertrau daher auf Dein Gefühl und auf Deine eigene Fähigkeit, Dein Baby gut auf die Welt zu bringen. Egal für welchen Geburtsort Du Dich entscheidest: Wichtig ist, dass Du Dich dort wohlfühlst und Dich entspannen kannst. Wir wünschen Dir eine schöne Geburt!

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