Ängste in der Schwangerschaft

Psychologin und Mindest-Coach Jill verrät, wie Du gelassener durch die Zeit mit Babybauch gehst

Sobald Du ein Baby bekommst, kommen in Deinem Leben ganz neue Fragen auf und plötzlich beschäftigen Dich Themen, an die Du vorher niemals gedacht hättest. Das ist eine tolle, spannende Zeit, aber wir verstehen auch, wenn Dir irgendwann der Kopf brummt! Wir bei LILLYDOO glauben, dass Du sicher die richtigen Entscheidungen für Dich und Deinen kleinen Entdecker treffen wirst. Aber auch, dass es nicht schaden kann, Dir hin und wieder Rat von Menschen zu holen, die sich täglich mit diesen Fragen beschäftigen und Fachleute auf ihrem Gebiet sind. Deshalb möchten wir in dieser Artikelreihe Expertinnen und Experten die Fragen rund um Schwangerschaft, Geburt und Elternsein stellen, die uns allen durch den Kopf gehen.

Unsere Expertin Jill ist Psychologin, Podcasterin, Autorin und Mindset-Coach für Schwangere und frischgebackene Eltern. In dieser Rolle unterstützt sie Frauen und Paare dabei, glücklicher und gelassener durch die Zeit der Schwangerschaft und das erste Babyjahr zu kommen und hilft, mit Angst vor der Geburt umzugehen. Sie selbst sagt darüber: „Meine Aufgabe besteht darin, (werdende) Eltern so zu unterstützen, dass sie von allein und auf Dauer ohne meine Unterstützung gesünder mit Stress und den eigenen Sorgen und Ängsten umgehen können."

Wie kam die Entscheidung, Frauen mit Coaching durch ihre Schwangerschaft zu begleiten?

Ursprünglich habe ich mit Leistungssportlern zusammengearbeitet und ihnen beigebracht, gesünder mit Druck und den eigenen Sorgen und Ängsten umzugehen. 2019 bin ich ungeplant schwanger geworden, was mich erstmal aus der Bahn geworfen hat, weil ich zu dem Zeitpunkt gedanklich eher mit meiner Karriere beschäftigt war. Mit dem positiven Schwangerschaftstest sind bei mir ziemlich viele Unsicherheiten aufgekommen.

Ich habe mich auf die Suche nach jemandem gemacht, der mir bei den schwangerschaftsspezifischen Sorgen und Ängsten mit wissenschaftlich fundierten Erkenntnissen zur Seite steht und mir hilfreiche Methoden an die Hand gibt – nur gab es damals niemanden, der meine Kriterien erfüllt hat.

Ich habe also kurzerhand die Methoden und Tools aus meiner Arbeit mit Leistungssportlern und aus meinen eigenen Workshops und Coachings für mich adaptiert – meine Schwangerschaft wurde damit zur schönsten Wartezeit der Welt. Weil das Ganze so gut bei mir selbst geklappt hat, bin ich mittlerweile nur noch Mindset Coach für Schwangere und frisch gebackene Eltern.

Das Tolle dabei, Schwangere zu unterstützen, ist der schöne Nebeneffekt, dass auch die Babys im Bauch von einer guten Resilienz der Mama profitieren, auch noch dann, wenn sie auf der Welt sind.

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Typische Ängste während der Schwangerschaft

Mit welchen Ängsten wenden sich Schwangere an Dich?

Angst tritt immer dann auf, wenn wir uns auf irgendeine Art bedroht fühlen oder unser körperliches und/oder psychisches Wohlbefinden in Gefahr sehen. Angst ist eigentlich eine ziemlich hilfreiche Emotion, die oft eine wertvolle Begleiterin für uns darstellt. Wenn wir Angst haben, sind wir besonders vorsichtig und aufmerksam. Wenn wir beispielsweise Angst haben, etwas Falsches zu essen und damit unserem Baby zu schaden, werden wir uns ganz bewusst für bestimmte Lebensmittel entscheiden und andere weglassen. Angst will uns also eigentlich immer nur sagen: Sei vorsichtig.

Weil jede Schwangere anders auf ihre Umwelt und deren Reize reagiert, sind auch die Ängste, mit denen sie zu mir kommen, sehr unterschiedlich. Häufig wenden sich jedoch Schwangere an mich, die bereits eine Fehlgeburt erlebt haben. Solche emotionalen Erlebnisse brennen sich ein, und es ist ganz normal, dass die Folgeschwangerschaft anders startet und oft ein Schleier der Schwere über ihr liegt.

Ganz gleich, ob man eine Fehlgeburt miterleben musste oder sich aus anderen Gründen Sorgen macht: Letztendlich wollen die meisten Schwangeren beruhigt werden und von außen hören, dass alles gut ist. Das Problem dabei ist, dass sie dabei immer abhängig von anderen sind. Von der Frauenärztin, von der Hebamme, vielleicht von der besten Freundin oder im schlimmsten Falle von Google. Wenn Schwangere zu mir kommen, lernen sie, sich selbst zu beruhigen. Denn bei den meisten Sorgen und Ängsten geht es gar nicht um eine echte Gefahrensituation, sondern um eine ausgemalte.

Umgang mit Ängsten

„Wie entwickelt sich mein Baby? Wie kann ich es jetzt schon schützen und dafür sorgen, dass es ihm gut geht?“ – solche und andere Gedanken hat vermutlich jede Schwangere mal. Wann sollte man sich Unterstützung holen?

Solche Gedanken sind total normal, schließlich ist in einer Schwangerschaft so vieles ungewiss und unbekannt. „Sich-Sorgen-machen“, also negative Gedanken zu haben, ist ein Teil vom Menschsein und liegt daran, dass unser Gehirn eine Negativitätstendenz hat. Das heißt, unsere Synapsen sind so verdrahtet, dass wir uns bei Unsicherheiten automatisch Zukunftsszenarien ausmalen, um auf schlimme Situationen potenziell besser vorbereitet zu sein. In der Steinzeit war diese Art zu Denken ein Überlebensschutz und definitiv hilfreich. Heutzutage ist sie das in den meisten Situationen nicht mehr und verursacht mehr Stress, als wir eigentlich haben müssten. Sorgen und Ängste führen dazu, dass wir nicht mehr in der Gegenwart sind, in der meist alles gut ist, sondern uns von Hypothesen, also ungeprüften Theorien über die Zukunft, stressen lassen.

Wenn Du als Schwangere merkst, dass Dich viele Dinge im Alltag stressen oder merkst, dass Du Dich über Deine Schwangerschaft nicht wirklich freuen kannst, es aber gerne wollen würdest, lohnt es sich, Unterstützung zu suchen. Wenn Du Dir ständig Sorgen machst und viele negative Gedanken hast und Deine Schwangerschaft stattdessen mit Leichtigkeit und Vertrauen genießen möchtest, lohnt es sich, Dich unterstützen zu lassen!

Unterstützung kann viele Gesichter haben. Je nachdem wie groß die Sorgen oder die Ängste sind, sollte sich auch die Unterstützung ändern. In manchen Situationen reicht der Rat der besten Freundin. Bei anderen die Meinung Deiner Frauenärztin. Manchmal reichen gute Selbstcoaching Methoden und manchmal ein Coach. Falls Du ein Trauma durch eine (stille) Geburt oder andere Themen erlitten hast, empfehle ich Dir von Herzen, eine Therapeutin als Unterstützerin an Deiner Seite zu haben.

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Einfluss von Mindset auf die Schwangerschaft

Wie können Ängste und Sorgen die Schwangerschaft beeinflussen?

Studien zeigen, dass anhaltender negativer Stress Einfluss auf die Schwangerschaft haben kann. Wenn ich gestresst bin, weil ich mir Sorgen mache oder Angst habe, schüttet mein Körper Stresshormone – Adrenalin, Noradrenalin und Kortisol – aus. Diese Hormone werden nicht nur in echten Gefahrensituationen, sondern auch wenn wir nur darüber nachdenken, was alles passieren könnte, ausgeschüttet. Durch die Hormonausschüttung mobilisiert unser Körper alle Reserven, die ihm zur Verfügung stehen, um der Gefahr durch Kampf oder Flucht zu entkommen. Körperlich merken wir das an Herzklopfen, einem erhöhten Puls, flacherer Atmung; gefühlsmäßig oft durch innere Unruhe und Beklommenheit. Durch ständigen starken Stress kann das Risiko für Schwangerschaftskomplikationen steigen.

Wichtig ist zu verstehen, dass jede Emotion ihre Berechtigung hat und Sinn ergibt, auch in der Schwangerschaft. Angst schützt Dich und Dein Baby vor Situationen, die euch nicht guttun. Die Frage ist nur, wie sehr wir uns in die Angst hineinsteigern. Mit der Angst ist es wie mit allen anderen Gefühlen: Sie sind fast immer temporär, außer wir halten zu sehr an ihnen fest.

Welchen Effekt kann ein positives Mindset haben?

Ich glaube, wichtiger als ein positives Mindset ist ein konstruktives. Unser Gehirn hat evolutionsbedingt eine Negativitätstendenz, um uns vor gefährlichen Situationen zu schützen. Deswegen fällt es uns leichter, an negative Konsequenzen zu denken als positiv zu sein. Es ist Zeit, unser Gehirn dabei zu unterstützen, zu lernen, anders zu denken und nicht immer sofort all das potenziell Negative sehen – das belegen neurowissenschaftliche Studien. Ich spreche im Kugelzeit Coaching Podcast auch öfter darüber, weil es faszinierend ist, was unser Körper und unser Gehirn alles vollbringen.

Welche Taktiken haben Dir selbst während Deiner Schwangerschaften geholfen, sodass Du sie heute weitergibst?

Alle Methoden, die ich selbst anwende, haben eines gemein: Sie sind alle sehr einfach, aber dennoch effektiv. Der Schlüsselmoment und gleichzeitig oft der schwierigste Teil ist, die eigene Angst festzustellen und in dem Moment, in dem sie da ist, auf die Metaebene zu gehen, also über das eigene Denken nachzudenken. Was denkst Du konkret, wenn Du Angst hast oder Dir Sorgen machst? Erst wenn Du das realisierst, kannst Du etwas gegen die Angst tun.

Oft wollen wir die Angst nur schnell loswerden, indem wir uns mit Sport, Essen, Serien, Freunden oder etwas anderem ablenken. Davon rate ich ab, weil die Angst dann wieder kommen wird. Wenn Du das nächste Mal Angst hast oder Dir Sorgen machst, frag’ Dich was der Trigger ist. Was löst die Angst aus? Nutze die Angst, um ins Handeln zu kommen. Dadurch wird sie automatisch kleiner werden.

Da Ängste durchaus auch Vorteile haben, sollte es nicht darum gehen, nie wieder Angst zu haben oder sich Sorgen zu machen. Das Ziel sollte eher sein, zu erkennen, ob die Angst gerechtfertigt ist oder man sich zu sehr in sie hineinsteigert, und wenn dem so ist, wieder von ihr abzulassen beziehungsweise zu merken, welches Bedürfnis man eigentlich hinter der Angst stillen möchte.

Und zu guter Letzt: Welchen Gedanken möchtest Du werdenden Mamas auf diesem Wege mitgeben?

Materielle Dinge sind es nicht, die glücklich machen oder Dich auf Deine neue Rolle als Mama oder Papa vorbereiten. Um glücklich zu sein und gelassen durch eine Schwangerschaft zu gehen, ist das Geheimnis Wachstum. Nicht nur das Deines Kindes, sondern auch Dein eigenes, mentales Wachstum. Damit meine ich nicht Veränderung. In einer Schwangerschaft finden schon genug Veränderungen statt– sowohl in einem als auch um einen herum– die sich der eigenen Kontrolle entziehen. Eigentlich unglaublich, doch wir müssen fast nichts dafür tun, dass es unserem Baby gut geht, dass es wächst und auch der eigene Körper sich so verändert, dass alles seinen normalen Gang nimmt. Das sind faszinierende Veränderungen, die gleichzeitig auch Angst machen können, weil sie eben nicht kontrollierbar sind.

Das mentale Wachstum hingegen ist das Ergebnis bewussten Denkens, Entscheidens und Handelns. Es passiert nicht automatisch, aber wir können es zu 100 % kontrollieren!

Wenn Du lernst, Dich nicht mehr auf Dinge zu fokussieren, die sich Deiner Kontrolle entziehen, wirst Du eine glückliche und gelassene Schwangerschaft erleben. Egal, ob es Veränderungen an Deinem Körper sind, die Meinungen anderer, potenzielle Sorgen oder andere stressige Ereignisse. Und Du kannst lernen, Deine Sorgen und Ängste anzunehmen, zu hinterfragen und anders mit ihnen umzugehen.Und genau das wünsche ich Dir von Herzen.

Vielen Dank liebe Jill für diese Einblicke rund ums Thema Ängste und Sorgen in der Schwangerschaft. Auch wenn es ganz normal ist, dass Du in dieser Situation das Beste für Dein Baby willst und Deine Gedanken um seine Entwicklung und sein Wohlbefinden kreisen, lohnt es sich, genau in Dich hineinzuhören. Nehmen Ängste überhand, kann es sinnvoll sein, Dir Hilfe zu holen. Sei es Deine Ärztin/Dein Arzt, Deine Hebamme, eine gute Freundin oder ein Coach – Deine Gedanken zu teilen kann der erste Schritt dahin sein, Deine Schwangerschaft unbeschwerter genießen zu können. Wir wünschen Dir alles Gute dabei.

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